Senden - Weißenhorn wird attraktiver

Strecken außerhalb von Baden-Württemberg
Antworten
Vielfahrer
Örtlicher Betriebsleiter
Örtlicher Betriebsleiter
Beiträge: 4513
Registriert: So 1. Aug 2010, 13:32
Wohnort: Tübingen Weststadt

Senden - Weißenhorn wird attraktiver

Beitrag von Vielfahrer »

Hallo,

am Donnerstag dieser Woche wurde im Kreistag in Neu-Ulm beschlossen, dass auf Ende 2023 der komplette Nahverkehr im Raum Ulm - Senden - Weißenhorn neu geplant und ausgeschrieben werden soll. Die vor 8 Jahren erfolgte Reaktivierung der Schienenstrecke (Ulm - ) Senden - Weißenhorn erweist sich als Erfolgsmodell. Der Stundentakt soll zu den Hauptverkehrszeiten nunmehr zum 30-Minuten-Takt ergänzt werden, ferner soll die Strecke, die Bestandteil der Regio-S-Bahn Donau-Iller ist, elektrifiziert werden, ebenso die Illertalbahn. In Senden wird der Bahnhof komplett umgebaut und schienenfreie Zugänge zu den Bahnsteigen erhalten. Die Taktverdichter nach Weißenhorn sollen in Senden von den Takten nach Illertissen geflügelt werden. Senden wird damit ein 15er und 45er-Knoten im Regionalverkehr werden und Verkehre von Weißenhorn in Richtung Illertissen werden mit bahnsteiggleichem Umstieg in Senden damit teilweise halbstündlich möglich werden. Das ganze Angebotssystem wird um 30 Minuten gedreht. Auch deswegen müssen sämtliche Buslinien neu konzeptioniert werden und die Bedienungsstrukturen insgesamt überdacht werden. Ferner soll der bisherige Buslinienverkehr, der teilweise mehr oder weniger schulorientiert ist, eine attraktive Alternative im Verbund mit der Regio-S-Bahn Donau-Iller und Bike and Ride im Sinne des Klimaschutzes werden. Dies wurde so im Kreistag einstimmig beschlossen.
Der Haltepunkt Neu Ulm-Gerlenhofen wird um ca. 400 m in Richtung Süden in die Ortsmitte verschoben. Im Norden von Senden wird ein neuer Halt geplant (Nähe Möbel-Inhofer), die Zweigleisigkeit, die bislang nur bis zum Haltepunkt Neu-Ulm Finninger Straße reicht, wird verlängert, kurz, es wird die Voraussetzung dafür geschaffen, dass zusätzlich zum Fern- und Regionalverkehr zwischen Illertissen und Ulm Hbf ein sauber vertakteter 30-Minuten-Verkehr der Regio-S-Bahn Donau-Iller angeboten werden kann, der in einem Drittel der Fahrzeit der Busse die Gemeinden mit Ulm und Neu-Ulm verbindet. Entsprechend dazu werden die schienenparallelen Busleistungen zugunsten einer verbesserten Flächenerschließung umgeplant. Zielsetzung ist es, die angebotsmäßigen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass der öffentliche Verkehr seinen Teil zum Klimaschutz durch Verdoppelung der Nachfrage tatsächlich erbringen kann.

Flankierend dazu hat die Stadt Ulm vor, in der Innenstadt die Zahl der Parkplätze von 5.000 auf 1.400 zu reduzieren, um die Aufenthaltsqualität in der Stadt zu verbessern. Anstelle von Parkplätzen sollen Grünflächen mit Sitzbänken geschaffen werden (Parklets genannt). Das Anwohnerparken soll von 30.- €/Jahr auf 300.- €/Jahr deutlich verteuert werden. Völlig logisch, dass es da attraktivere Alternativen als heute benötigt, um ohne Auto in die Stadt und zurück zu kommen.

Viele Grüße vom Vielfahrer
Bahner
Weichenputzer
Weichenputzer
Beiträge: 177
Registriert: Sa 18. Aug 2018, 13:42
Wohnort: Bad Dürrheim

Re: Senden - Weißenhorn wird attraktiver

Beitrag von Bahner »

Sehr konsequent, was die Stadt Ulm macht.
Gut, dass wir unseren Zweitwagen durch einen Privatverkauf diese Woche an Käufer (ausgerechnet aus Ulm) ersatzlos verkauft haben *:-D*
Karl Müller
Schaffner
Schaffner
Beiträge: 1863
Registriert: Mo 13. Jun 2011, 12:25

Re: Senden - Weißenhorn wird attraktiver

Beitrag von Karl Müller »

Guten Morgen,
und Danke für die Informationen. Ich bin gespannt wie sich der Ulmer ÖPNV verändert, wir konnten es ja seit vielen Jahren beobachten. Vor allem noch die Inbetriebnahme der SFS Ulm - Wendlingen Ende 22.
Gruß Oli
Vielfahrer
Örtlicher Betriebsleiter
Örtlicher Betriebsleiter
Beiträge: 4513
Registriert: So 1. Aug 2010, 13:32
Wohnort: Tübingen Weststadt

Re: Senden - Weißenhorn wird attraktiver

Beitrag von Vielfahrer »

Hallo,

heute konnte ich die neuen Pläne für den Umbau des Bahnhofs Senden sehen. Es wird einen Mittelbahnsteig geben, an welchem die Züge u.a. von und nach Weißenhorn abfahren und wo auch in/aus Richtung Illertissen die Züge geflügelt bzw. zusammengekuppelt werden. Vom Mittelbahnsteig aus gelangt man über eine Treppe bzw. einen Aufzug auf einen Steg, der auf der westlichen Seite, also wo das bisherige Bahnhofsgebäude steht, zu einem Busbahnhof führt, der 3 Haltestellen in südlicher und 3 Haltestellen in nördlicher Richtung aufweist. Verlässt man den Steg in östlicher Richtung, so gelangt man zu einer zusätzlichen Bushaltestelle auf der Ostseite, welche von Bussen der Linie Hittistetten - Aufheim bedient wird, die anschließend über Wullenstetten nach Illerzell (dort liegt das Illertal-Gymnasium) weiterfahren. Die 7 Haltestellen werden benötigt, um aus Senden, wo sich zeitweise aus 3 Richtungen die Züge treffen, ein die Fläche versorgenden Vollknoten zu den Minuten 15 und 45 zu machen. Mit der Konzeption zweier Busabfahrtsmöglichkeiten im Westen und Osten der Illertalbahn in Senden spart man Fahrten über den Bahnübergang in Senden ein. Die Illertalbahn ist ja eingleisig und weist ab Ende 2023 sehr dichten Zugverkehr auf, also häufig geschlossene Schranken. 125 Personenzüge pro Tag, dazu noch Güterzüge (z.B. den Ölzug nach Altmannshofen) auf einer eingleisigen Strecke, das ist schon ordentlich viel.

Nachdem die infrastrukturelle Erweiterung der Schienenstrecke zwischen Neu-Ulm und Senden nicht ganz so rasch wie wünschenswert erfolgt, können nicht alle Regio-S-Bahnen in Gerlenhofen halten. Aus diesem Grund wird bis zur Verlegung des Bahnhofs Gerlenhofen in die Ortsmitte der 30-Minuten-Takt mit der Buslinie 73 nach Ulm beibehalten. In südlicher Richtung nach Vöhringen werden die Busse ebenfalls alle 30 Minuten verkehren und die bedeutenden Industriegebiete erschließen, etwa die Fa. Wieland in Vöhringen. Am Bahnhof in Vöhringen wiederum (er ist kein Taktknoten der Schiene) gibt es auf die Schiene aus Ulm bzw. aus Illertissen abgestimmte Busverbindungen in Richtung Weißenhorn über Illerberg und in Richtung Illertissen über Au oder Tiefenbach. In Illertissen, das so ca. 25 km von Ulm entfernt ist, endet dann der Verdichtungsraum, welcher Zigtausende Arbeitsplätze und Einwohner aufweist. Nach den Vorstellungen des Klimaschutzprogramms des Landkreises Neu-Ulm soll die Bahnlinie Ulm - Neu-Ulm - Senden - Vöhringen - Illertissen (- Memmingen) das Rückgrat des Umweltverbunds werden, wobei die Buslinien die Feinerschließung der Siedlungsgebiete ohne unmittelbaren Schienenzugang sicherstellen. Zielsetzung ist es, nachdem die Schiene täglich mindestens stündlich, überwiegend halbstündlich, die Bahnhöfe miteinander bis Mitternacht verbindet, dies auch für die abseits liegenden Wohngebiete zu ermöglichen, also stündlich, täglich bis Mitternacht. Umgesetzt werden soll das alles auf Ende 2023, d.h. noch in diesem Jahr soll eine europaweite Vorabbekanntmachung der Pläne des Landkreises erfolgen.

Viele Grüße vom Vielfahrer
Antworten