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Fahrplankonferenz des Verbands Region Stuttgart

Verfasst: Mi 30. Sep 2026, 15:04
von Vielfahrer
Hallo,

beim Verband Region Stuttgart fand heute die Fahrplankonferenz für die Region Stuttgart statt. Schätzungsweise gut 100 Gäste waren anwesend. In einem ersten Themenschwerpunkt erläuterte für DB-InfraGo deren Vertreter, Herr Bückle, mit welchen Baustellen in der Region im kommenden Jahr zu rechnen sei. Klar, dass S 21 hier nach wie vor die Hauptursache darstellt. Bis Ende 2028 soll der Bonatzbau wieder geöffnet werden und bis Ende 2031 wird der Flughafenbahnhof mit Abfahrten in die Richtungen Tübingen und Ulm in Betrieb gehen. Für die Inbetriebnahme von Stuttgart 21 (als Durchgangsbahnhof) nannte er den Fahrplanwechsel im Dezember 2032. Im Frühjahr 2033 stehen größere Arbeiten auf der Stammstrecke der S-Bahn an und Ende 2033 soll der Pfaffensteigtunnel als Verbindung zwischen Flughafenbahnhof und Gäubahn seinen Betrieb aufnehmen. Unabhängig von diesem Zeitplan sind laufende Instandhaltungsmaßnahmen auf verschiedenen Strecken in der Region erforderlich, da man ja zunächst davon ausgegangen war, dass S 21 schon vor 5 Jahren in Betrieb gegangen wäre.

Die Gäubahn ist vom 8.1.27 bis zum 5.3.27 von Baumaßnahmen betroffen. Zwischen Böblingen und Stuttgart-Vaihingen werden vorbereitende Arbeiten bezüglich des Anschlusses des Pfaffensteigtunnels an die Gäubahn aufgenommen. Während dieser Zeit wird der Fernverkehr überwiegend in Böblingen enden, der Regionalverkehr hingegen wird über die Panoramabahn bis Stuttgart Hbf (oben) verkehren. Vorgesehen ist dabei, dass während der Bauzeit zwischen Böblingen und Berghau immer ein befahrbares Gleis zur Verfügung steht, auf dem der Regionalverkehr und die S-Bahn fahren können. Damit dies klappt, wird die S-Bahn vom 15-Minuten-Takt auf einen 30-Minuten-Takt ausgedünnt.

Ähnliche größere Arbeiten stehen zwischen Zuffenhausen und Stuttgart Hbf (oben) an. Hier wird mit Gleiswechselbetrieb gefahren. Um auf der dann nur eingeschränkt zur Verfügung stehenden Infrastruktur den Betrieb abwickeln zu können, wird auch dort die S-Bahn auf einen 30er-Takt ausgedünnt.

Im März 2027 werden im Bahnhof Plochingen mehrere Weichen erneuert, vom 19. – 22.3 ebenso in Bad Cannstatt. Zwischen Plochingen und Wendlingen steht im Frühjahr 2027 ebenfalls noch eine größere Sperrung an, ebenso in Kornwestheim und auch zwischen Stuttgart-Nord und dem Pragtunnel. Sperrungen wird es auch zwischen Leonberg und Weil der Stadt geben.

Ein regionaler Schwerpunkt der Investitionen wird im Raum Waiblingen – Backnang - Marbach liegen. Zwischen dem 15.5.27 und dem 20.8.27 wird die Murrbahn wegen Bauarbeiten im Raum Backnang und auch zwischen Waiblingen und Backnang gesperrt. Es gäbe einige Brücken sowohl der Straßenbaulastträger wie auch der DB, die saniert werden müssten und auch Tunnels, die untersucht werden müssen. Um die Einschränkungen für die Fahrgäste zu minimieren, werden die Arbeiten in sog. Baustellen-Containern gebündelt.

Der zweite Themenschwerpunkt befasste sich mit dem Betrieb der S-Bahn. Zeitweise seien an einem Tag in der Region Stuttgart 3.600 Zugkilometer ausgefallen, ein Wert, der in früheren Jahren allenfalls im Monat erreicht wurde. Aber nicht nur der Ausfall, sondern auch die Unpünktlichkeit der Züge wiege schwer. Nur 49% der Züge (gemessen an der 3-Minuten-Pünktlichkeitsdefinition) wären pünktlich gewesen. Bei der 6-Minuten-Definition seien es 64% gewesen. Dies sind inakzeptable Werte.

Herr Therolf (S-Bahn Stuttgart) verwies darauf, dass für ausfallende Züge frühzeitig Schienenersatzverkehre geplant würden. Im vergangenen Jahr sei man damit realtiv gut gefahren. Man habe vor Start des SEV jeweils Probebetriebe durchgeführt, für die SEV-Busse Angaben in Echtzeit bereitgestellt und in erheblichem Umfang zusätzliches Informationspersonal eingesetzt. Von den Fahrgästen sei dies positiv aufgenommen worden.

Im Jahr 2027 würde das geplante Fahrplanangebot nahezu unverändert weitergefahren. Allerdings hätte man sich dazu durchgerungen, die Haltezeit der S-Bahn generell auf 0,5 Minuten festzulegen, was im Minutenbereich kleinere Änderungen zur Folge hat.

Von Vertretern der für den Busverkehr zuständigen Aufgabenträger kam an der Informationspolitik der Bahn eine gewisse Kritik auf. Natürlich wolle man die leicht geänderten Zeiten der S-Bahn weiterhin mit Busse bedienen. Wenn die Busse aber heute z.B. 4 Minuten nach S-Bahn-Ankunft starten und diese zukünftig ein bis zwei Minuten später ankommt, wird es für Umsteiger kritisch. Hier sollte eine möglichst frühzeitige Information erfolgen, um die Buslinien möglichst an die geänderte Situation noch anpassen zu können.

Kritik kam auch an der Kapazität einiger Züge auf. Dank Deutschlandticket wären viele Züge deutlich voller und wenn dann noch ein Zugteil fehlen würde, müssten Fahrgäste zurückbleiben. Dazu wurde erläutert, dass in der Tat die Fahrzeugsituation angespannt sei. Ungefähr 20 Fahrzeuge seine zum Umbau auf das neue Zugsicherungssystem ETCS aus dem Verkehr gezogen. Deswegen wäre die Reserveflotte sehr gering und schon kleine Störungen würden deswegen vergleichsweise oft dazu führen, dass die Kapazität der Züge verringert werden müsse.

Den Vorschlag des Fahrgastvertreters der NVBW, angesichts häufiger Ausfälle auf der Stammstrecke der S-Bahn gleich weniger Zugfahrten, diese dafür pünktlich, zu planen, wurde von der Region Stuttgart zurückgewiesen. Auch bei geringerem Zugangebot gäbe es Störungen. Der aktuelle Fahrplan sei vom Grundsatz her pünktlich fahrbar.

Für den Bereich der Gäubahn erläuterte Heiko Focken von der NVBW das Entspannungskonzept für die Gäubahn-IC, welches ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026 gefahren wird, also den einheitlichen Stundentakt Stuttgart – Singen, bei dem alle 2 Stunden bis Zürich durchgefahren wird. Die Halte in Herrenberg, Gäufelden und Bondorf entfallen nahezu vollständig, dafür wird in Sulz und Oberndorf mit allen IC-Zügen gehalten und zusätzlich in Spaichingen und Engen alternierend alle 2 Stunden. Die heutige Zugkreuzung von schnellem und langsamen IC in Oberndorf wird aufgegeben und durch eine Kreuzung in Epfendorf ersetzt. Dadurch entspannt sich der Fahrplan deutlich. Da Sulz und Oberndorf nunmehr stündlich vom IC bedient werden, kann auf die parallel verkehrenden RE verzichtet werden, wodurch weitere Zugkreuzungen auf der eingleisigen Strecke zwischen Neckarhausen und Rottweil entfallen. Dafür werden die Leistungen zwischen Stuttgart und Horb im Regionalverkehr ausgeweitet. Werktags könne man zukünftig ab Herrenberg alle 30 Minuten das Gäu mit Regionalzügen bedienen.

Der Herrnberger Forderung nach IC-Halten mindestens alle 2 Stunden, die auch vom Landkreis Böblingen unterstützt wurde, wird nicht nachgegeben, weil dies das Entspannungskonzept konterkariert hätte. Dafür können die Herrenberg, Gäufeldener und Bondorfer Fahrgäste in Richtung Süden zukünftig alle 30 Minuten an Werktagen nach Horb fahren. Die Umstiegszeit auf den IC in Horb beträgt ca. 8 Minuten (vom IC in der Gegenrichtung auch). Lediglich in der Tagesrandlage wird ein IC-Zugpaar in Herrenberg weiterhin halten. Dies schade dem Entspannungskonzept nicht.

Eine größere Verbesserung ist noch, dass 1 Stunde später als heute eine tägliche IC-Verbindung von Singen nach Stuttgart angeboten werden wird, also Singen ab ca. 21:35 Uhr. Und ab 2028 wird angestrebt, nochmals eine weitere Spätverbindung (dann Singen ab 22:35 Uhr) anzubieten. Damit kann man dann aus der ganzen Schweiz ein bis zwei Stunden später abfahren und kommt immer noch nach Stuttgart über die Gäubahn. Die bisherige Umsteigeverbindung ab Singen mit einem Ringzug bis Rottweil, einem VT 612 ab Rottweil und dem MEX nach Stuttgart entfällt dann. Unter dem Strich wird erwartet, dass die massiven Qualitätsprobleme auf der Gäubahn durch diese neue Fahrplanstruktur behoben werden und „Hilfskrücken“ wie unterschiedliche Kunden- und Betriebsfahrplanzeiten nicht mehr notwendig sind. Gemessen am vergleichsweise geringen Fahrgastaufkommen auf der Gäubahn sei die Ausdehnung am Abend ein sehr positives Zeichen.

Auf einigen anderen Strecken im Land wird die Kapazität erhöht, sobald die bestellten neuen Fahrzeuge verfügbar sind. Kapazitätsanpassungen finden auch dadurch statt, dass Zugläufe mit hoher Kapazität (z.B. bis nach Osterburken) auf den Abschnitt bis Heilbronn eingekürzt werden und dann ein Zug mit angepasster geringerer Kapazität zwischen Heilbronn und Osterburken verkehrt.

Eine vage Hoffnung wurde für die Zukunft dahingehend gemacht, dass der Umstieg in Karlsruhe aus Richtung Freiburg in Richtung Stuttgart bzw. in der Gegenrichtung eventuell vermieden werden könne. Die heutigen Umstiegszeiten wären knapp und würden sehr viele Fahrgäste betreffen. 2027 jedoch bleibt es bei der aktuellen Situation.

Auf den Regionalbahnstrecken im Gebiet der Region Stuttgart läuft es gut. Die Verfügbarkeit der Fahrzeuge ist zufriedenstellend, die Pünktlichkeit ebenso.

Viele Grüße vom Vielfahrer