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"Politischer Scherbenhaufen" im Gäu

Verfasst: Sa 8. Aug 2026, 19:10
von Vielfahrer
Hallo,

wie kaum anders zu erwarten war, rumort es kräftig im Oberen Gäu, weil die DB-Fernverkehr zur Stabilisierung der Gäubahn-Fahrpläne die IC-Halte in Herrenberg, Gäufelden und Bondorf bei den langsamen IC-Zügen gestrichen hat, um zusätzliche Zeitpuffer zu gewinnen. Bei den schnelleren IC-Zügen wurde die Fahrzeit um 15 Minuten verlängert, dafür halten diese IC auch in Sulz am Neckar und in Oberndorf am Neckar, so dass sich für die vom IC bedienten Stationen Stuttgart Hbf (oben), Böblingen, Horb, Sulz am Neckar, Oberndorf am Neckar, Rottweil, Tuttlingen, Singen und Schaffhausen sowie Zürich HB ein echter Stundentakt ergibt. In Spaichingen wird alternierend mit Engen jeweils zweistündlich gehalten.

Der RE von Stuttgart nach Rottweil entfällt im Abschnitt Horb - Rottweil, weil die stündlich haltenden IC den Bedarf deutlich besser als bislang abdecken. Von Herrenberg nach Stuttgart fährt alle 15 Minuten eine S-Bahn und zusätzlich der RE mindestens stündlich. Die Problematik liegt im Angebot zwischen Herrenberg und Horb, welches in Horb zu einer nahezu halbstündlichen Wartezeit auf den IC nach Süden führt.

Schon kurz nach dem Bekanntwerden dieser neuen Fahrplanstruktur braute sich im Oberen Gäu der Widerstand auf. Für das Schwäbische Tagblatt in Tübingen berichtet Redakteurin Anke Kumbier:

„Politischer Scherbenhaufen“
Der IC soll kaum mehr im Gäu halten. Böblingen suchte einen Kompromiss. Nun scheint vor Gesprächsende alles entschieden.

Böblingen/Dettenhausen/Region.

Der IC von Stuttgart nach Zürich soll künftig deutlich seltener als bisher in Herrenberg, Bondorf und Gäufelden halten. Diese Pläne wurden im April diesen Jahres bekannt. Seither läuft die lokale Politik dagegen Sturm und fordert: Zumindest der IC-Halt in Herrenberg muss den ganzen Tag über bleiben. Unterstützung kommt aus der Bevölkerung. In einer Onlinepetition haben sich bislang rund 10.800 Menschen dafür stark gemacht, dass der IC weiterhin in Herrenberg hält. Denn ohne den IC würde sich die Anbindung der Gäustadt vor allem in den Süden deutlich verschlechtern.

Die Deutsche Bahn hingegen hofft auf eine Verbesserung. Indem der IC nicht mehr in Herrenberg, Gäufelden und Bondorf hält, soll die Verbindung auf der Gäubahn wieder pünktlicher werden. Sie hat regelmäßig mit langen Verspätungen zu kämpfen. In dem Versuch, eine Lösung zu finden, mit der beide Seiten leben können, trafen sich der Böblinger Landrat, die Bürgermeister der betroffenen Kommunen und eine Vertreterin der Deutschen Bahn in den vergangenen Wochen zu zwei runden Tischen.

In einer Ausschusssitzung im Juli hatte Landrat Roland Bernhard signalisiert, dass die Gespräche noch kein zufriedenstellendes Ergebnis gebracht hätten. Das letzte Wort sei aber noch nicht gesprochen. Umso überraschender die Nachricht, die der Herrenberger Gäubote vergangene Woche veröffentlichte. Demnach stehe inzwischen fest, dass der IC ab Dezember nur noch am frühen Morgen und späten Abend im Gäu hält.

Die Infos stammen dem Artikel zufolge vom baden-württembergischen Verkehrsministerium. Eine Nachricht, die offenbar auch für Landrat Roland Bernhard (parteilos) und die beteiligten Kommunen unerwartet kam. Entsprechend verärgert reagiert der Kreis-Chef in einer Pressemitteilung: „Wer in dieser Phase den laufenden Dialog untergräbt, richtet politisch einen Scherbenhaufen an.“

Das Landratsamt stellt klar, dass die Aussagen des Verkehrsministeriums zu den IC-Halten weder mit der Deutschen Bahn noch mit dem Landkreis und den betroffenen Kommunen abgestimmt gewesen seien. „Sie entsprechen nicht dem zwischen den Beteiligten in den Runden Tischen geeinten Sachstand“, heißt es in der Mitteilung. Aktuell würden die Fachebenen die von kommunaler Seite vorgebrachten Vorschläge prüfen, und die Suche nach einem Termin für einen dritten Runden Tisch laufe auf Hochtouren.

„Super enttäuscht“ zeigt sich Herrenbergs Oberbürgermeister Nico Reith (parteilos). Noch vor zwei Wochen sei er seitens des Verkehrsministeriums gebeten worden, bis zur finalen Prüfung des Gesamtfahrplans im September mit einer externen Kommunikation zu warten. „Nun erfahre ich aus der Zeitung, dass sich das Land, das wohl aufgrund der Mitfinanzierung diese Abschnitts den größten Einfluss auf die Bahn hat, offenbar schon entschieden hat“, wird er in der Mitteilung zitiert.

Wie geht es jetzt weiter? Aufgeben möchten Kreis und Kommunen weiterhin nicht. „Wir erwarten, dass die vereinbarten Gespräche seriös weitergeführt werden und keine Vorfestlegungen über die Medien erfolgen“, sagt Roland Bernhard und kündigt an: „Wir werden nicht lockerlassen“.

Viele Grüße vom Vielfahrer