Seite 1 von 1

Herausforderungen bei der Erhaltung der Panoramabahn

Verfasst: Mo 8. Dez 2025, 10:57
von Vielfahrer
Hallo,

heute Nachmittag ab 17:30 Uhr berichtet Tobias Harms, Vorsitzender der Geschäftsführung der SWEG Südwestdeutsche Landesverkehrs-GmbH, über spannende infrastrukturelle Herausforderungen in Stuttgart. Sein Vortrag findet beim Verband Region Stuttgart in der Kronenstraße 25 statt.

Viele Grüße vom Vielfahrer

Re: Herausforderungen bei der Erhaltung der Panoramabahn

Verfasst: Mo 8. Dez 2025, 23:19
von Vielfahrer
Hallo,

in der Vortragsreihe der Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft (DVWG) referierte Tobias Harms von der SWEG über die Herausforderungen der Panoramabahn. Der Sitzungssaal des Verbands Region Stuttgart war voll besetzt und Prof. Dr. Ullrich Martin vom Institut für Eisenbahn- und Verkehrswesen der Universität Stuttgart sprach die einleitenden Worte. Tobias Harms sei schon mit vielen Projekten des öffentlichen Verkehrs unterwegs gewesen, in Bremen, in Augsburg und nunmehr seit rund 10 Jahren auch bei der Südwestdeutschen Eisenbahngesellschaft, der SWEG tätig.
Tobias Harms ergänzte noch, dass er in Bremen u.a. bei den DVWG-Junioren aktiv gewesen sei. Dann stellte er die SWEG vor, die als Landesunternehmen im Prinzip das umsetze, was sein Eigentümer, das Land Baden-Württemberg wolle. Wichtig sei aber auch, dass die SWEG als Unternehmen darauf achte, dass sich dies jeweils auch rechnen müsse. Die SWEG sei ein Unternehmen, das in Baden-Württemberg von Nord nach Süd und von Ost nach West unterwegs wäre, viel mit Bussen, aber auch mit Zügen, wobei der Güterverkehr eher nur eine geringere Bedeutung hätte. Daneben sei die SWEG ein Eisenbahninfrastrukturunternehmen, welches gut 200 km eigene Bahnstrecken betreibe und ein Eisenbahnverkehrsunternehmen, welches auch auf vielen Strecken der DB InfraGO unterwegs sei. Im Raum Stuttgart sei die SWEG 2021 vom Land mit der Durchführung von Schienenverkehren beauftragt worden, als Abellio in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war.

Die Panoramabahn werde nach der Einschätzung von Tobias Harms in der Öffentlichkeit nicht sonderlich stark diskutiert. Das liege vermutlich daran, dass sie aktuell keinen eigenständigen Wert als Nahverkehrslinie hätte. Zwischen Stuttgart und Stg.-Vaihingen gebe es keinen Verkehrshalt, obwohl die Bahnlinie durch teilweise dicht bebaute Gebiete führen würde. Das Verkehrsangebot wären stündliche IC und Regionalverkehre der Gäubahn, die den Süden des Landes mit der Landeshauptstadt verbinden würden.

Die Aufgabe, die die SWEG mit der Panoramabahn bekommen hätte, sei spannend und schwierig zugleich. Üblicherweise würde eine verkehrliche Aufgabenstellung erfolgen, aus der dann eine betriebliche Aufgabenstellung erarbeitet wird und darauf wird die Infrastruktur dann ausgerichtet. Bei der Panoramabahn sei dies ganz anders. Es fehle bislang an einer exakten verkehrlichen Aufgabenstellung, weshalb auch eine betriebliche Aufgabenstellung noch nicht erfolgt ist. Das Land hätte das Ziel, die Schwerpunkte Stuttgart-Vaihingen, Stuttgart-Feuerbach und Stuttgart-Bad Cannstatt mit tangentialen Linien zu verbinden, um nicht zwangsweise alle Linien immer über den Hauptbahnhof führen zu müssen. Für die Bahnkunden entstünde der Vorteil schneller und umsteigefreier Verbindungen und dichterer Fahrplanangebote.

Die Aufgabe, die die SWEG mit der Panoramabahn übernommen hätte, wäre nicht einfach. Da die bisherige Infrastrukturbetreiberin DB InfraGO die Panoramabahn nicht mehr für ihr Betriebskonzept benötigen würde, hätte sie durchaus nachvollziehbar nicht mehr viel in die Strecke investiert. Sie hat die Panoramabahn sogar an die Stadt Stuttgart verkauft. Wenn die SWEG nun die Strecke für einen zukünftigen Betrieb wieder herrichten wolle, sei dies mit vielerlei Schwierigkeiten verbunden. Die Bahngleise liegen auf Grundstücken, die der Stadt Stuttgart gehören. Dort, wo sie an DB-Strecken anschließen, gehören die Grundstücke der DB. Und wie bei fast allen Bahnprojekten spielen Umweltverträglichkeitsuntersuchungen eine große Rolle. Bei der Panoramabahn müsse man zudem sehen, dass die DB diese Strecke ja aufgeben wollte und deswegen die mit dem Bau von S 21 notwendigen Ausgleichsflächen auf der Panoramabahn definierte. Wenn nun dort wieder ein Betrieb erfolgen solle, müssten andere Ausgleichsflächen gefunden werden – nicht ganz einfach in einem so dicht bebauten Gebiet wie in der Landeshauptstadt.

Hingewiesen wurde auch darauf, dass die Panoramabahn topographisch nicht einfach sei. Sie liegt am Hang und kann im Prinzip nur im Bereich von Stuttgart-Nord bzw. dem früheren Bahnhof Stuttgart West mit Straßenfahrzeugen ebenerdig angefahren werden. Da viele Brücken und Tunnels, Dämme und Einschnitte vorhanden sind, ist die Ertüchtigung der Strecke bzw. die Erneuerung von Teilen deutlich schwieriger als in ebenem Gelände. Meist müsse der Transport über die Schiene erfolgen, was aber bedeuten würde, dass man z.B. über defekte Brücken nur dann weiterfahren könne, wenn diese instandgesetzt wären. Dies wirke sich verlängernd auf die Bauzeiten aus.

Die Strecke könne auch kaum anders trassiert werden, weil Dämme, Einschnitte, Brücken und Tunnels verhindern würden, dass größere Radien geplant würden. Allenfalls wäre vorstellbar, dass vielleicht mal im Detail eine stärkere Überhöhung gewählt wird. Aber im Grund bliebe die Panoramabahn so trassiert wie sie aktuell ist. Da könne man nicht viel mehr herausholen. In Stuttgart-Vaihingen schließt die Panoramabahn auch zukünftig an die DB-Strecke an, am anderen Ende dann in Richtung Stuttgart-Feuerbach. Denkbar sei auch, dass eine direkte Verbindung von der Gäubahn in Richtung Bad Cannstatt gebaut wird. Von den Steigungsverhältnissen her sei dies machbar.

Herausfordernd seien die Arbeiten, die mit der Leit- und Sicherungstechnik auf die SWEG zukämen. Der Knoten Stuttgart werde digitalisiert, soweit Strecken von DB InfraGO betroffen seien. Die entsprechenden Planungen der SWEG für die Panoramabahn müssten dies berücksichtigen. Zum Glück hätte die SWEG schon Erfahrungen mit ESTW-Anlagen auf ihr gehörenden Eisenbahnlinien. Aber es sei schon eine Pionieraufgabe, dies auf den Digitalen Knoten Stuttgart abzustimmen. Vorschlägen etwa, wie man möge die bisherige Sicherungstechnik quasi als Rückfallebene beibehalten, erteilte die SWEG eine klare Absage. Das sei weder machbar noch die Zukunft.

In der Diskussion wurde berichtet, dass die DB beabsichtige, bei Stuttgart-Oesterfeld auf jedes der beiden Panoramabahngleise einen Prellbock zu stellen und die Oberleitung in Richtung Stuttgart Hbf abzubauen. Bestätigt wurde auch, dass das von der DB geplante Stellwerk in Stuttgart-Vaihingen nicht berücksichtigen würde, dass die Panoramabahn, die ja vom Eisenbahninfrastrukturunternehmen SWEG geplant würde, hier anbinden soll. Auch der Vertreter des Verkehrsministeriums, Herr Hickmann, berichtete, dass die Schnittstelle DB InfraGO/SWEG problematisch sei.

Tobias Harms und seine Mitarbeiter betonten aber, dass die Zusammenarbeit mit den Kollegen von DB InfraGO gut sei, auch mit der Stadt Stuttgart oder dem Verkehrsministerium des Landes. Die SWEG als nichtbundeseigene Eisenbahn müsse auf ihren eigenen Strecken sich der Landeseisenbahnaufsicht unterwerfen, die DB InfraGO dem Eisenbahnbundesamt. Er hoffe, dass die Panoramabahn, für die bislang das EBA zuständig ist, auf die Landeseisenbahnaufsicht übergeht, weil hier andere Standards gelten, die kostensenkend und zeitlich besser planbar sind.

Prof. Dr. Ullrich Martin bedankte sich abschließend bei Tobias Harms und seinen Mitarbeitern für die interessanten „Werkstatteinblicke“, die diese gewährt haben.

Viele Grüße vom Vielfahrer