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Alte Trasse der Echaztalbahn für Regionalstadtbahn Neckar-Alb durch Pfullingen
Verfasst: Do 20. Nov 2025, 16:15
von Vielfahrer
Hallo,
der Gemeinderat der Stadt Pfullingen hat sich mehrheitlich dafür entschieden, die Regionalstadtbahn Neckar-Alb durch Pfullingen auf der alten Bahntrasse zu führen. Zur Entscheidung stand auch eine Innenstadttrasse, die aber mehrheitlich abgelehnt wurde. Wie die Anbindung Pfullingens an den Bahnhof Reutlingen Hbf aussieht, wird vom Reutlinger Stadtrat in den nächsten Wochen entschieden. Die nunmehr durch Pfullingen auf die Echaztalbahn fokussierte Trasse soll weiterhin auf die Albhochfläche nach Kleinengstingen durchgebunden werden, wo sie auf die Schwäbische Albbahn von Schelklingen über Münsingen – Kleinengstingen nach Gammertingen trifft.
Viele Grüße vom Vielfahrer
Hitzige Diskussion zur Regionalstadtbahn in Reutlingen
Verfasst: Mi 3. Dez 2025, 16:23
von Vielfahrer
Hallo,
der Reutlinger Generalanzeiger berichtet heute über eine Sitzung des Stadtrats von Reutlingen, bei welcher es um die Vorbereitung der am 16.12.25 im Stadtrat anstehenden Entscheidung über die Trasse der Regionalstadtbahn Neckar-Alb im Gebiet der Stadt Reutlingen geht.
Die Diskussionen hat ein AfD-Stadtrat ausgelöst, der die in den zurückliegenden Jahren gefundene Aufteilung des Finanzierungsbedarfs in Frage stellte:
„Wir haben uns vor Jahren gemeinsam mit demokratisch getroffenen Entscheidungen zum Projekt bekannt. Das Ob ist damit entschieden“, sagte Oberbürgermeister Thomas Keck. Das sah AfD-Stadtrat Hansjörg Schrade anders. „Die Stadtbahn ist keine Pflichtaufgabe im eigentlichen Sinn. Ich frage mich, wie wir das finanzieren möchten.“ Dass die Verwaltung ab 2038, wenn alle Stadtbahnlinien in Betrieb sind, etwa 14 Millionen Euro im Haushalt dafür vorhalten muss, sei eine große Belastung. „Und ohne Idee, wie wir das gegenfinanzieren möchten, ist das höchst unseriös. Da müssen Sie (die Gemeinderäte) sich alle Gedanken machen.“
Schrades Kritik und dass er damit das Projekt an sich infrage stellt, sorgte für Stirnrunzeln und Empörung. „Die umliegenden Gemeinden und Städte haben ihre Beschlüsse gefasst. Was sollen die denken, wenn wir das jetzt nicht tun? Das wäre unseriös“, sagte Regine Vohrer (FDP). Schrades Redebeitrag sei „skandalös. Mir ist der Blutdruck gestiegen und der neigt sich auch gar nicht mehr.“
OB Keck: „Dann hätte diese Stadt ihre Zukunft hinter sich.“
Auch der Puls von OB Keck dürfte gestiegen sein. Direkt auf Schrades Ausführungen betonte er: „Wenn unsere Vorväter und -mütter so gedacht hätten wie sie, hätten wir heute eine Wasserknappheit, weil wir nie Bodenseewasser bekommen hätten. Auch das war damals ein gewaltiges Projekt in finanziell nicht einfachen Zeiten. Wenn alle so denken würden wie Sie, dann hätte diese Stadt ihre Zukunft hinter sich.“
Weil Schrade zudem formulierte, dass die Umlagen an den Zweckverband, über die die Stadt Reutlingen ihren Anteil am Projekt finanziert, Schulden seien, äußerte sich auch Finanzbürgermeister Roland Wintzen. „Ja, auch Umlagen müssen wir verbindlich zahlen. Das Geld wird weg sein, aber dafür ist die Stadtbahn da. Für unseren kleinen Anteil erhalten wir den Gegenwert der Regional-Stadtbahn in einem Wertumfang von 2,5 Milliarden Euro.“ Keck und Wintzen betonten, dass die finanzielle Belastung nicht gering ist. Aber die Förderkulisse von 93 Prozent sei historisch. „Dann müssen Sie für die sieben restlichen Prozent Lösungen finden“, sagte Schrade. „Das werden wir und das können wir finanziell verantworten“, antwortete Keck.
Führung über die Albstraße hätte einige Nachteile
Die anderen Fraktionen fragten die Verwaltung und Prof. Tobias Bernecker, Geschäftsführer des Zweckverbands, nach Details zu den Trassen aus. Welche Variante sie bevorzugen, wurde daraus nicht deutlich. Die CDU hakte nach, ob die Variante der Gartenstraße über die Albstraße nicht doch Vorteile gegenüber der nun geplanten Führung über Albtorplatz und Lindachknoten habe. Eine gerade Strecke vom Burgplatz aus bis zur Einfahrt am Knotenpunkt Südbahnhof könnte Zeit und Kosten sparen. Bernecker sieht bei dieser Variante, die im Prozess verworfen wurde, mehrere Nachteile. Die S-Kurve beim Burgplatz würde ebenfalls zu Zeitverlust führen. Zudem würden in der Albstraße alle Längsparkplätze wegfallen und auf Höhe der Kreuzung Seestraße sorgt eine Engstelle für Herausforderungen.
Für die Stadtverwaltung bleibt die Gartenstraße der Favorit vor der Lederstraße, die Honauer Bahn dürfte in der Abstimmung am 16. Dezember eine untergeordnete Rolle spielen. Für Betzingen wird die Abstimmung ebenfalls sehr spannend, weil das Gremium zwischen der Alten Bahntrasse und der Variante Wildermuth-Siedlung mit zusätzlichem Halt entscheiden muss. Aus Sicht des Zweckverbands und der Stadt wird die Alte Bahntrasse favorisiert.
Variante in Ohmenhausen dürfte sicher sein
Während der Betzinger Bezirksgemeinderat am Mittwoch, 3. Dezember, über seine favorisierte Trasse durch Reutlingens größten Bezirk diskutiert, hat Ohmenhausen das schon hinter sich. Der dortige Bezirksgemeinderat spricht sich für die eingleisige Bahnlinie mit Bahnbrücke am Fehlhaldenweg aus und somit gegen eine zweigleisige Führung, die ebenfalls zur Auswahl steht. Die eingleisige Führung der Bahnlinie ist auch die favorisierte Variante der Stadtverwaltung – ein Beschluss dieser Variante ist somit nahezu sicher.
Irgendwie erinnert mich diese Diskussion an die Planungsphasen des Ringzugs. Die Stadt Geisingen wollte seinerzeit eine Umgehungsstraße auf die nur noch sporadisch von Sonderzügen befahrene Schienentrasse im Aitrachtal legen und plädierte zugunsten eines "echten Ringzugs", der auch zwischen Donaueschingen und Immendingen jede Stunde verkehren sollte. Wie es ausgegangen ist, das wissen wir inzwischen durch einen Blick in die Fahrpläne. Auch in Bräunlingen wollte man damals den Ringzug näher an oder gar durch das Stadttor fahren lassen. Dazu kam es (leider) aber auch nicht.
Spannend ist es zu beobachten, wie sich die Stadträte in Reutlingen am 16.12.25 abschließend positionieren werden.
Viele Grüße vom Vielfahrer