Ammertalbahn verbleibt bis 2022 beim RAB:

Strecken in Baden-Württemberg, die unten nich aufgeführt sind.
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Karl Müller
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Ammertalbahn verbleibt bis 2022 beim RAB:

Beitrag von Karl Müller » Mo 22. Jun 2020, 22:03

https://ted.europa.eu/udl?uri=TED:NOTIC ... XT:DE:HTML

was soll man sagen, - arme Fahrgäste?

Oder, hat der RAB seinen Laden endlich im Griff - ohne El-Lokleistungen?

MFG Oli

Vielfahrer
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Re: Ammertalbahn verbleibt bis 2022 beim RAB:

Beitrag von Vielfahrer » Mo 22. Jun 2020, 23:47

Hallo Oli,

im Raum Tübingen ist ja nur noch wenig für den RAB zum fahren, sieht man mal von den RegioShuttles zwischen Bad Urach und Herrenberg sowie zwischen Tübingen, Horb und Pforzheim ab. E-Loks fahren die Personale nicht mehr (für den RAB), aber auch andernorts läuft es nicht gut. Heute war ich in Friedrichshafen und wollte nach Villingen. Die SWEG kam aus Eriskirch mit 5 Minuten Verspätung, wie es auch angezeigt war. Nur zur Abfahrtszeit tat sich auch nach 5 Minuten noch nichts. Die Erklärung war dann irgendwann ein verspäteter 611er aus Basel nach Friedrichshafen, der noch abgewartet wurde. Mit satten 10 Minuten sind wir dann um 12:41 Uhr abgefahren. Und vor Markdorf ging es sehr gemächtlich, bis der Zug irgendwann stand. Der Lokführer meldete, dass wir erst dann in den Bahnhof Markdorf einfahren dürften, wenn der Gegenzug zum Stehen gekommen sei (da war doch mal was mit der Reisendensicherung in Markdorf...) Dann hatten wir satte 16 Minuten, bis wir endlich in Markdorf waren. Meine Umstiegszeit in Radolfzell auf die Schwarzwaldbahn betrug beruhigende 16 Minuten, aber da begann ich dann zu zweifeln, ob das noch was wird. Flott ging es dann weiter bis Überlingen Mitte und dann nach Überlingen-Therme, wo wieder ein Gegenzug, den wir mutmaßlich sonst in Ludwigshafen gekreuzt hätten, abgewartet werden musste. Aber die Sekunden vergingen, ohne dass sich die SWEG in Bewegung setzte. Die Erklärung kam vom Lokführer: Wir warten noch wenige Minuten auf eine Überholung durch einen anderen Zug. Dann kam auch ein VT 611 nach Basel und erst als dieser in Ludwigshafen vor uns war, ging es weiter. In Stahringen stand gegenüber noch ein HzL-Seehäsle und vor dem Brandbühltunnel ging es auch nur langsam weiter. Kurz vor Radolfzell meldete sich der Lokführer mit der erlösenden Botschaft, dass wir endlich noch bei Tageslicht Radolfzell erreichen würden. Die Anschlüsse waren natürlich längst weg und es hat dann gerade noch auf den Seehas in Richtung Engen gereicht, weshalb ich es dann vorgezogen habe, nicht mehr via Villingen zu fahren, sondern mich gleich auf den Heimweg zu machen.

Dabei habe ich im IC einen getroffen, der mir berichtete, weshalb so viele Lokführer fehlen würden. Nicht weil sie zu Abellio oder Go Ahead oder zur SWEG gehen wollten, sondern weil der Stress inzwischen außerordentlich groß sei. So müssten die Lokführer in manchen Schichten ständig mit Vollgas fahren und hätten nur minimale Wendezeiten und das den ganzen Tag lag. Die wären am Ende ihrer Schicht richtig fertig. So ähnlich muss es dem SWEG-Personal gehen, das ab Radolfzell seine Gegentour gleich wieder mit Verspätung antreten musste und bis Friedrichshafen dann erneut den Plänen hinterherfahren durfte .Darin sah er die Hauptursache der Kündigungen. Es würde zu DB-Cargo oder zu den SBB gewechselt, wo die Arbeitsbedingungen wesentlich besser wären und bei den SBB gut der doppelte Lohn herausspringen würde. Er prognostizierte mir, dass auch die Wettbewerber der DB ausbilden könnten wie sie wollen, aber das Personal würde diesen Dauerstreß nicht hinnehmen und dann wieder gehen.Corona muss da ein Segen gewesen sein, weil dadurch massiv Überstunden abgebaut werden konnten, die das Personal zum Teil in Form von mehreren Hundert Stunden angehäuft hätte. Und weil soviele abspringen oder am Abspringen sind, ginge es bei den verbliebenen schon wieder los - oder es würden personell bedingt die Züge einfach ausfallen.

Viele Grüße vom Vielfahrer

Karl Müller
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Re: Ammertalbahn verbleibt bis 2022 beim RAB:

Beitrag von Karl Müller » Di 23. Jun 2020, 05:45

Ja, Vielfahrer, wem sagt er das - dem Fahrplan hinterherfahren, Streß und so. Das kann einen kaputt machen, dazu mangelnde Wertschätzung und den Rest des Tages besorgt die Kundschaft.
MFG Oli

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Re: Ammertalbahn verbleibt bis 2022 beim RAB:

Beitrag von Tf Reinhard » Do 25. Jun 2020, 08:52

Wenn der Zug aus Eriskirch kam, könnte aber auch ein RAB-Tf gefahren sein. Auf einem der drei Züge, die immer zwischen Radolfzell und Friedrichshafen unterwegs sind sitzt ein Tf der RAB. Die Verspätungen auf dieser Strecke sind teilweise echt schlimm. Sehr viel kommt durch die 611er Leistungen. Aber die Strecke selbst ist sehr Störanfällig. Und wenn ich mir den Spanngurt ansehe, der das Einfahrsignal mit dem Ausfahrvorsignal in Therme verbindet, komme mir auch so meine Gedanken.
Und der Stressfaktor auf der BGB ist schon um einiges höher als beim RIZ.

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Re: Ammertalbahn verbleibt bis 2022 beim RAB:

Beitrag von Fridinger » Do 25. Jun 2020, 20:17

Schade, dass man der Ammertalbahn keine zusätzliche Kreuzungsstelle zwischen Entringen und Herrenberg spendiert hat. Aktuell muss man diesen Streckenabschnitt ja wie eine Stichstrecke fahren, da in Herrenberg nur ein Bahnsteiggleis anfahrbar ist. In Gültstein (oder im freien Feld) eine Kreuzungsmöglichkeit einzurichten wäre dabei sicher ein Vorteil für die Betriebsführung. Aber vielleicht wird es mit neuen Fahrzeugen ab 2022 ja besser, ich denke dass ein nicht geringer Anteil der Verspätungen in den heruntergerittenen Regioshuttles zu Grunde liegt.

Am Montag war ich von 13:30 bis 15:30 Uhr auch in Überlingen Therme, da unser Fahrkartenautomat dort schon länger eine Softwarestörung hat - und weil sie so schlimm war, konnte sie auch erst heute vollständig behoben werden. Dass man dort den Zug nach Radolfzell kreuzen und überholen lassen hat und er dabei 15min stand, war schon heftig. Der Tf ließ während der Standzeit alle Türen offen, aber raus wollte fast niemand.

Dem überholenden IRE hat es immerhin genutzt, er war bis Schaffhausen fast pünktlich und konnte so vor der S-Bahn gen Basel entfliehen. Ab den magischen 5min Verspätung muss er gemäß der Absprache mit dem Kanton Schaffhausen warten und hinter der pünktlichen S-Bahn bis Erzingen hinterher fahren, was die meisten Anschlüsse in Basel platzen lässt.
Bild
D 1189 - Stuttgart 15:15 - Spaichingen 16:52 - Tuttlingen 17:00 - Milano Lambrate 00:14 - Lecce 12:57
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Re: Ammertalbahn verbleibt bis 2022 beim RAB:

Beitrag von Tf Reinhard » Do 25. Jun 2020, 20:49

So ab und zu denkt man auch mal mit. Ich hatte es mal (auf Gastfahrt), dass der Tf schon vorher von der Überholung in Therme benachrichtigt wurde. So konnte er den Fahrgästen, die bis Radolfzell durchgefahren sind, den Umstieg in Überlingen empfehlen. In Therme ist es leider zu spät.

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Re: Ammertalbahn verbleibt bis 2022 beim RAB:

Beitrag von Vielfahrer » Do 25. Jun 2020, 23:16

Hallo Fridinger,

Um die Betriebsstabilität zu erhöhen, wird die Strecke von Entringen bis kurz vor Altingen zweigleisig ausgebaut. Die Zweigleisigkeit beginnt etwa dort, wo man von Altingen aus in den Wald fährt. Das wären knapp 3 km Doppelspur. Dadurch könnten Züge in Herrenberg zukünftig vielleicht 4 Minuten auf eine verspätete S-Bahn warten, ohne beim Gegenzug den S-Bahn-Anschluss dadurch zu gefährden. Eine weitere Doppelspur entsteht zwischen Unterjesingen Mitte und der Brücke über die Ammer in Richtung Tübingen-West. Diese Doppelspur ist dann ca. 1,5 km lang. Sie ist auch notwendig, weil zur HVZ zukünftig im Abschnitt Entringen - Tübingen im 15-Minuten-Takt gefahren werden soll (muss, da die Fahrgastnachfrage der ehemals stillgelegten Ammertalbahn dies erfordert).

Und noch was zum Automaten: Ich habe in dieser Woche am Fahrkartenautomaten in Konstanz Hbf eine Fahrkarte nach Tübingen gekauft. Dann zeigte der Automat mir an, dass ein Verkauf nicht möglich sei, Teilpreis bis Bondorf. Das hat mich richtig verwirrt, denn Konstanz - Tübingen ist ja eine sicherlich sehr gängige Relation. Dann habe ich als Ziel Tübingen West eingegeben. Das hat dann funktioniert, allerdings nicht der BW-Tarif sondern ein ebenfalls günstiger DB-Tarif. Zu meinem großen Erstauen spuckte der Automat, nachdem der das geforderte Geld kassiert hatte, aber keine Fahrkarte nach Tübingen Hbf aus, sondern eine nach Ergenzingen. Ich schwöre Stock und Bein, dass auf dem Display Tübingen Hbf gestanden hat, aber mir eine falsche Fahrkarte ausgegeben wurde. Der Preis jedoch war in Ordnung. Mir war es dann egal und ich bin trotzdem nach Tübingen gefahren und kontrolliert hat eh keiner. Meine Frage dazu wäre, ob solche Fehlverkäufe von Fahrkarten öfters vorkommen. Einmal hat der Automat auch 2 geschluckt ohne Gegenleistung,

Viele grüße vo Vielfahrer

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Re: Ammertalbahn verbleibt bis 2022 beim RAB:

Beitrag von Karsten » Fr 26. Jun 2020, 08:59

Am letzten Mittwoch hatte ich auch Bodenseeschicht und muss gestehen. Pünktlich gefahren bin ich nie, wollte immer und bin auch zügig unterwegs gewesen. Nur irgendwann war die Karre so warm, dass kein "Rasen" mehr möglich wahr zudem musste bei der nächsten Kreuzung wieder gewartet werden. Mein Rekord an diesem Tag lag bei 14Min vespätung. Gestern ging es erstaunlich gut, da mussten die Züge nur selten oder nur ein paar Minuten auf den gegenzug warten. Mal schauen, wie es heute wird.

Zu den Verspätungen muss aber auch gesagt sein, die Lint 54 haben schon etwas probleme wenn es draussen warm ist und sie etwas zügig bewegt werden.
Grüßle Karsten

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Re: Ammertalbahn verbleibt bis 2022 beim RAB:

Beitrag von Karl Müller » Fr 26. Jun 2020, 09:49

Hallo - zu den Automaten - die Neuen "Krauth" Automaten sind überalll auf den Bahnhöfen im anrollen.

Zu den Verspätungen - es wird immer und alles auf Verschleiß gefahren, Mensch un Maschine. Die Umstände herum geben dir den Rest ( Fahrgäste,Wetter).

Wir könnten in einer Welt voll Luxus leben, für alles und alle wäre genug da, aber, nein, wer mit dem ÖPNV unterwegs ist muß jedes mal die Unvernunft der Entscheidungsträger erleben.

Gruß Oli

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