Struktur des RVL-Verbunds wird hinterfragt

Sonstiges, worüber man sich das "Maul" zerreisen kann.
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Vielfahrer
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Struktur des RVL-Verbunds wird hinterfragt

Beitrag von Vielfahrer »

Hallo,

nachdem sich das Land das Ziel gesetzt hat, bis zum Jahr 2030 eine Verdoppelung der Benutzerzahlen im Personennahverkehr zu erreichen, wird auch die Politik auf lokaler Ebene aktiver. Im Landkreis Lörrach soll daher nach dem Willen des Kreis-Umweltausschusses die Gesellschafterstruktur des Regio Verkehrsverbunds Lörrach (RVL) auf den Prüfstand gestellt werden. Einstimmig hat das Gremium auf Initiative der SPD-Kreistagsfraktion die Verwaltung beauftragt, Modelle aufzuzeigen, wie die Gesellschafterstruktur des RVL mit dem Ziel einer stärkeren kommunalen Beteiligung angepasst werden könnte.
Nach Auffassung der SPD-Kreistagsfraktion kann das ansatzweise nur dann erreicht werden, wenn sich ein völlig neues verlässliches und getaktetes Angebot bei allen Trägern des ÖPNV ermöglichen lässt, wie aus dem Antrag der Fraktion hervorgeht. Für die SPD-Kreistagsfraktion ist derweil klar: „Die Stärkung des ÖPNV bedarf aus unserer Sicht auch einer Strukturdiskussion zum Aufbau der Verkehrsgesellschaft des Landkreises. Die SPD sei der Überzeugung, dass das kommunalpolitische Gewicht in dem Verkehrsverbund gestärkt und die bisherige Vertretung der Verkehrsbetreiber auf ein erforderliches Maß neu justiert werden müsse. Das auch vor dem Hintergrund, dass der Ausbau des Nahverkehrs aus Sicht der Fraktion zu einer höheren öffentlichen Mitfinanzierung führen wird. Dadurch steige die kommunale Verantwortung gegenüber den bisherigen Nahverkehrsbetreibern, heißt es im Antrag.

Es sei angesagt zu überprüfen, ob die Strukturen des RVL noch zeitgemäß sind, begründete Herbert Baier den Vorstoß. „Der Forderung können wir etwas Positives abgewinnen“, erklärte CDU-Fraktionschef Paul Renz. Er erinnerte daran, dass der RVL lediglich politische Aufträge umsetze.

Ulrich May (Freie Wähler) forderte mehr Einblick und Engagement des Kreistags. Die Grünen sprachen sich dafür aus, Vergleiche mit anderen Modellen und Landkreisen zu ziehen.

Mehr Attraktivität des ÖPNV müsse nach Einschätzung der Kreis-Verwaltung beim Verkehrsangebot, Verkehrsverknüpfung, Informationswesen, Teilhabe, Image und dem Tarif gesucht werden, geht aus der Sitzungsvorlage hervor. Erste konkrete Optionen jenseits der Strukturdebatte erwartet der Umweltausschuss vom Tarifgutachten, das dem Kreistag im Herbst präsentiert werden soll. Dann stehen auch Ergebnisse für Kurzstreckentarife auf der Agenda. Problematisch ist teilweise auch die Zonierung: „Wir müssen den Hebel bei der Tarifstruktur ansetzen, um dadurch mehr Leute auf den Bus zu bringen“, monierte Anton Behringer (FW) die Preisgestaltung.

Gesellschafter des RVL sind bislang die SWEG (32 %), die SBG (32 %), die DB-Regio AG (22%), die SBB Deutschland GmbH (10%) und die vier privaten Unternehmen Will Markgräfler Reisen, Deiss-Reisen, Gersbacher GmbH und Heizmann-Reisen (je 1%).

Viele Grüße vom Vielfahrer
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Villinger
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Re: Struktur des RVL-Verbunds wird hinterfragt

Beitrag von Villinger »

Hallo,

ich kenne mich da unten kaum aus, denke aber dass dort auch die meisten Verkehre noch mit der klassischen Einzellinienkonzession ohne öffentlichen Dienstleistungsauftrag gefahren werden. Mir war vor allem im Winter aufgefallen, dass bis auf eine kleine Sonderlinie in den Feldbergorten keinerlei zusätzliche Fahrten in Richtung Feldberg für Skitouristen gefahren werden. Der stündliche SBG-Bus 7300 war bei meinen Tests schon am Ortsausgang Titisee überbesetzt was der Fahrer auf seine Kappe genommen hat, aber bei ordentlicher Vernetzung und Vermarktung könnte da allein mit dem großen Potenzial des Schwarzwaldes (und des Skimagnets Feldberg im Winter) sicher noch etwas mehr gehen.

Ich habe zufällig ein paar Unterlagen des Kreistages Sigmaringen verfolgt, wo es derzeit auch einen Wandel in der ÖPNV-Denke gibt. Dort sind die meisten Linien von Unternehmern konzessioniert und können vom Kreis kaum beeinflusst werden, weshalb man nach Ablauf der Genehmigungen vorsieht einen öffentlichen Auftrag und damit auch Linienbündel daraus zu machen. Da viele Linien noch einige Jahre (bestimmte Schülerverkehre sogar bis etwa 2030) genehmigt sind und diese nicht zurückgenommen werden können, wird es sich mit vielen Teilnetzen noch einige Jahre hinziehen, bis dort der Kreis tätig werden kann und womöglich auch solange dauern, bis sich etwas verändert.

Dazu fällt mir gerade ein, dass der neue Bundestagsabgeordnete Robin Mesarosch gebürtig aus Langenenslingen zum Verkehrsangebot dort seine erste Rede im Parlament thematisiert hat. Und dass dort eben nun mal das Auto gefahren werden muss, ob der Liter Super 1,60€ oder 2,30€ kostet.
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Re: Struktur des RVL-Verbunds wird hinterfragt

Beitrag von Vielfahrer »

Hallo,

im Landkreis Lörrach hieß der Platzhirsch früher SWEG. Schon in den 90er-Jahren gab es dann aber einen Abtausch zwischen SWEG (zog sich zurück im Großraum Rheinfelden) zugunsten der SBG. Die SBG-Linien werden u.a. von der Stadt Rheinfelden finanziell unterstützt und sind grenzüberschreitend in die Schweiz unterwegs. Im Wiesental wiederum wurden die SBG-Linien zugunsten der Stärkung der Schienenstrecke Zell - Schopfheim - Lörrach - Basel/Weil am Rhein reduziert, dafür Zubringerlinien zur Wiesentalbahn ausgebaut, auf welcher zukünftig sogar ein 15-min-Takt angestrebt wird.

Stark vertreten ist die SWEG nach wie vor im Nordwesten des Landkreises zwischen Rheintal und Kandertal. Schaut man sich hier die Buslinien an, so deutet vieles auf eigenwirtschaftlich betriebene Buslinien bzw. Schülerverkehre hin, da das Verkehrsangebot sich schwerpunktmäßig um den Schülerverkehr rankt. Fahrten an Ferientagen, am Wochenende oder auch in den Abendstunden sind nur rudimentär vorhanden und taugen eher nichts für Bürger, die über einen PKW verfügen. Weil das so ist, gibt es zum Teil kommunal operierende Bürgerbusse.

Wie mit einem solchen Angebot das Ziel der Verdoppelung der Verkehrsnachfrage im öffentlichen Verkehr erreicht werden soll, ist unklar. Vor diesem Hintergrund ist die politische Diskussion um den RVL m. E. zu sehen. Verlässliche Stunden-Takte nicht nur auf Schienenstrecken, sondern gerade auch abseits der Schiene für die vielen Dörfer wären notwendig. Dies wird eigenwirtschaftlich nicht machbar sein, d.h. es wird kommunaler Finanzierung bedürfen. Aber wer bezahlt, der muss auch entscheiden können, z.B. über den Einsatz der vom Land gewährten Kommunalisierungsmittel (frühere § 45a-
Mittel). Was die Schienenverkehre betrifft, so ist der Landkreis recht aktiv, u.a. auch was die Reaktivierungsuntersuchungen der Strecken Haltingen - Kandern und Schopfheim - Wehr - Bad Säckingen zeigen. Beim Busverkehr könnte das ebenso noch werden.

Viele Grüße vom Vielfahrer
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