Hintschingen-Blumberg auf der Reaktivierungsliste des Landes?

Alles zur Strecke Rottweil-Tuttlingen-Immendingen-Blumberg kann hier rein.
Eine Überschneidung mit der Gäubahn ist möglich.
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Hintschingen-Blumberg auf der Reaktivierungsliste des Landes?

Beitrag von ortenau-s-bahner » Di 30. Apr 2019, 19:32

Hallo,

die Liste möglicher zu reaktivierender Strecken des Landes, die dieser Tage veröffentlicht wurde, hat mich in so fern irritiert, als dass dort auch "Hintschingen-Blumberg" aufgeführt wird. Als ich zuletzt nachgeschaut hatte, war da noch der Ringzug gefahren und die Strecke keineswegs stillgelegt *;-)*
Man kann sicher über die Menge der Fahrten (insb. bis Blumberg) diskutieren aber viel mehr Potenzial als heute sehe ich da ehrlicherweise auch nicht. Weiss jemand, was der Hintergrund ist, warum die Strecke mit auf der Liste gelandet ist? Gibt es bereits Ausbau- oder Ausweitungspläne, die man da eingespeist hat?

Gruß
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Tom2988
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Re: Hintschingen-Blumberg auf der Reaktivierungsliste des Landes?

Beitrag von Tom2988 » Di 30. Apr 2019, 20:17

Die Strecke ist blau, dass heißt:" Zu untersuchende Reaktivierungsstrecke, Aktuell nur beschränkter Personenverkehr".
Daraus schließe ich, dass über einen regelmäßigen Verkehr auf der Strecke im 2- oder sogar Stundentakt ggf. auch nach Ulm nachgedacht wird.
Genaues weiss ich natürlich auch nicht.

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Re: Hintschingen-Blumberg auf der Reaktivierungsliste des Landes?

Beitrag von Vielfahrer » Do 2. Mai 2019, 07:37

Hallo,

auch darüber habe ich mich etwas gewundert. Stand ist aber, dass der Ringzug weiterhin zumindest zwischen Hintschingen Abzw. und Leipferdingen im Stundentakt verkehren wird und einige wenige Fahrten bis/ab Blumberg-Zollhaus. Das Potential dieser Strecke ist eher beschränkt und sogar rückläufig, weil der Stundentakt Ulm - Donaueschingen, für den sich das Land entschieden hat, die Stadt Geisingen erheblich besser als heute bedienen wird, nämlich stündlich. Bislang war es so, dass in den Lückenstunden die Geisinger vielfach mit dem Bus nach Hausen gefahren wurden, was als Umsteigepunkt für die Geisinger der stärkste Unterwegsbahnhof bis Blumberg war. Es ist davon auszugehen, dass dieser Verkehr deutlich zurückgehen wird und quasi nur noch das lokale Verkehrsaufkommen von Hausen, Kirchen, Aulfingen und Leipferdingen bedient wird. Hausen hatte in seinen besten Zeiten 500 Fahrgäste pro Tag. Die wenigen Ringzug-Lückenschlusszüge, die aktuell bereits zwischen Tuttlingen und Donaueschingen verkehren, haben aber schon einen Großteil der Fahrgäste von Hausen abgezogen, weil die Fahrlagen exakt auf die nachgefragten Zeiten passen.

Ein weiteres Problem dieser Strecke ist es, dass das Abwarten von IC-Anschlüssen in Tuttlingen dazu führt, dass es fahrzeitmäßig nicht bis Leipferdingen zur Wende auf den Gegenzug reicht. Eigentlich müsste man in Aulfingen umdrehen oder nur zweistündlich fahren. In der Anfangsphase hat das bis/ab Leipferdingen prima geklappt, aber die Züge sind durch die geänderten Vorschriften alle langsamer geworden (Ausfahren von Schiebetritten und damit verlängerten Haltezeiten, Mindestwendezeit 5 Minuten).

Da es zwischen der Abzw. Hintschingen und Blumberg-Zollhaus keine einzige Weiche gibt, sind Kreuzungen nicht möglich und auch entsprechende Zugfolgen nicht. Es wurde zwar mal ein Stundentaktprogramm bis/ab Blumberg-Zollhaus entwickelt, welches in Immendingen aus dem 30er-Knoten mit guten Anschlüssen von der Schwarzwaldbahn und aus/in Richtung Ulm fahrbar wäre und zur Nullwende in Blumberg-Zollhaus reichen würde, aber dieses Programm ginge am Bedürfnis der heutigen Kunden vorbei, die in Immendingen längere Wartezeiten hätten und deren Fahrzeiten leider gar nicht mehr auf die Schulen in Immendingen, Tuttlingen und Wurmlingen passen würden. Auch müssten vorhandene Berufstätige bei ihrer Fahrt z.B. nach Rietheim-Weilheim dann längere Aufenthalte in Immendingen und Tuttlingen einplanen.

Denkbar wäre es auch, durch eine geänderte Buslinienführung der Strecke mehr Fahrgäste zuzuführen, z.B. indem die Busse von Blumberg über Randen - Kommingen - Tengen - Watterdingen nach Leipferdingen verkehren und den nördlichsten Zipfel des Landkreises Konstanz damit in Leipferdingen, welches bislang nur einen sporadischen lokalen Zubringerbus von der Ortsmitte zum Ringzughalt aufweist, besser an die Stadt Tuttlingen anbinden. Verkehre aus Riedöschingen könnte man auch so gestalten, dass sie am Ringzughalt Riedöschingen gute Anschlüsse in/aus Richtung Tuttlingen bieten würden. Hier aber handelt es sich nur um relativ wenige Fahrgäste. Die meisten Riedöschinger zieht es nach Blumberg, sie müssten dann aber nach einer Ringzugteilstrecke bis Zollhaus dort wieder auf den Bus nach Blumberg umsteigen, denn in Zollhaus liegt ja für die allermeisten nicht das Fahrtziel.

Würde man im Pendelverkehr zwischen dem 30er-Knoten in Immendingen und einer Nullwende in Blumberg-Zollhaus auf der vorhandenen Infrastruktur im Stundentakt verkehren, so hätte man ziemlich sicher zwischen Blumberg und Leipferdingen angesichts des ab Dezember 19 verkehrenden Regiobusses Donaueschingen - Zollhaus - Blumberg und der auf diesen Regiobus ausgerichteten Taktlinien von Riedöschingen, von Kommingen - Neuhaus - Nordhalden - Randen und von Fützen - Epfenhofen - Randen sowie dem dichten Busverkehr Blumberg - Zollhaus deutlich mehr Fahrgäste im oberen Streckenabschnitt, jedoch weniger im unteren Streckenabschnitt und dort vermutlich mit der Folge, dass wegen nicht passender Zeiten im Ausbildungsverkehr dann Busse in die fehlenden Fahrlagen einspringen müssten.

Sicherlich könnte man auch auf dieser Strecke nach Investitionen (z.B. in eine Elektrifizierung oder in Ausweichgleise, vielleicht auch in eine Verlängerung im Blumberg-Zollhaus in Richtung Blumberg) die Bedeutung dieser Strecke für die Kundschaft erhöhen, vielleicht auch für den Güterverkehr, nachdem in Blumberg durchaus Firmen mit hohem Transportvolumen vorhanden sind, aber prioritär scheinen mir diese Überlegungen angesichts der skizzierten Entwicklungen nicht zu sein.

Viele Grüße vom Vielfahrer

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Re: Hintschingen-Blumberg auf der Reaktivierungsliste des Landes?

Beitrag von Vielfahrer » Fr 3. Mai 2019, 21:30

Hallo,

der Schwarzwälder Bote berichtet über die Hintergründe, warum die Strecke Hintschingen - Blumberg in das Reaktivierungsprogramm als zu untersuchende Strecke aufgenommen wurde.

Viele Grüße vom Vielfahrer

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Re: Hintschingen-Blumberg auf der Reaktivierungsliste des Landes?

Beitrag von ortenau-s-bahner » Sa 4. Mai 2019, 19:58

Hallo,

danke für die Infos und den Link zum Schwabo. Haben die RVe wohl nicht miteinander gesprochen....

Gruß
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Re: Hintschingen-Blumberg auf der Reaktivierungsliste des Landes?

Beitrag von Sascha » Sa 4. Mai 2019, 21:36

Hallo,

ich habe mir mal die Liste angeschaut und war überrascht, dass die Bahn von Schwarzach/Stollhofen mit drauf ist.

Die Busse sind schon oft sehr voll (es waren auch Gelenkbusse), ich frage mich aber, wie sie die Einfädelung in den Bühler Bahnhof bewerkstelligen möchten.
Bühler BAhn.JPG
Die Strecke endet im Güterbereich (Grün) bzw. die SWEG-Güterzüge fahren auf die Schnellfahrstrecke (Rot). Ein Übergang auf die Nahverkehrsstrecke (gelb) ist erst in Ottersweier möglich.

Soll da am P+R-Parkplatz ein neuer Bahnsteig gebaut werden? Dann gibt es aber wieder weniger Platz für die Pendler und den Ratfahrern, der Parkplatz ist eh schon am Morgen überfüllt.

GRuß

Sascha *hallo1*
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Re: Hintschingen-Blumberg auf der Reaktivierungsliste des Landes?

Beitrag von Rangierer » So 5. Mai 2019, 15:00

Hallo Sascha,

ich denke genau so etwas soll untersucht werden. Die Studien werden ja erstellt um alles gegeneinander abzuwägen bzw. zu untersuchen. Es kann ja auch sein die Stammbahn Nord fällt wegen der von dir beschriebenen Probleme im Bf. Bühl dann aus dem Programm raus, wenn die Untersuchung das ergibt.

Sollte es die Strecke schaffen in die möglichen Kandiaten aufgenommen zu werden, dürfte ein Bstg. nicht der Fallstrick sein.

Grüße,

Tobi
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