Stadtverkehr Reutlingen hat Probleme...

Sonstiges, worüber man sich das "Maul" zerreisen kann.
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Karl Müller
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Stadtverkehr Reutlingen hat Probleme...

Beitrag von Karl Müller »

wohl corona bedingt wird der Fahrplan ausgedünnt, der RSV schreibt von 40% weniger Fahrgeldeinnahmen:

REUTLINGEN. »Aufgrund der Pandemie und dem damit einhergehenden veränderten Mobilitätsverhalten sind die Fahrgastzahlen im ÖPNV deutlich zurückgegangen«, klagt Stadtplaner Stefan Dvorak. Schwacher Trost: Der Rückgang ist nicht nur in Reutlingen, sondern in allen deutschen Städten zu verzeichnen. Um den Fehlbetrag von 8,6 Millionen Euro in der RSV-Kasse irgendwie zu stopfen, packt die Stadt an drei Stellen an: Sie führt »Nebenverkehrszeiten« ein, wie sie andernorts üblich sind, setzt Tangentiallinien, Quartiersbuslinien und Nachtbusse aus und stellt Investitionen zurück.

Und so läuft das in der Praxis: Wenn weniger Fahrgäste kommen, werden die Taktzeiten gestreckt – jeweils abhängig von der Linie. Interims-Geschäftsführer Wolfgang Tomek, der die RSV auf Kurs bringen soll, zeigte Schaubilder mit Nutzungszeiten, auf denen er »Katzenohren« ausmacht: Spitzenzeiten am Morgen und in der Mittagszeit, hevorgerufen durch den Berufsverkehr. Dazwischen geht die Kurve steil nach unten. Zu diesen Zeiten kommt künftig nicht alle 20 Minuten ein Bus, sondern jede halbe Stunde. Quartierbusse werden gestrichen, Nachtbusse ebenfalls. Die jährlichen Fahrplankilometer werden um ein Viertel reduziert. »Wir wollen so reagieren, dass die Grundzüge erhalten bleiben um in besseren Zeiten zurückzukehren«, beteuerte Dvorak. Am 4. Juli sollen die »Anpassungen« greifen.


Nun denn, sei es so.Ich kann nur für mich sprechen, und, ich benutze den Bus selten, da laufe ich eher zum Bahnhof bzw in die Stadt bzw benutze das Fahrrad
Auch die Schwäbische Alb Bahn ist hart am Rande, denn auch hier gibt es kaum Schüler geschweige denn Ausflügler..aus den gleichen Gründen.
Und in Stuttgart? Zumindest in den letzten Tagen bemerkte ich nichts von der Pandemie ( von den Masken bei den Fahrgästen abgesehen), Fahrgäste ohne Ende. Und, die Jugendlichen werden spürbar "komischer"...

Gruß Oli
Vielfahrer
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Re: Stadtverkehr Reutlingen hat Probleme...

Beitrag von Vielfahrer »

Hallo Oli,

was die Schwäbische Albbahn betrifft, so bin ich mit der neulich gefahren und war zwischen Schmiechen Albbahnhof und Münsingen der einzige Fahrgast im Zug 13:20 Uhr ab Schelklingen nach Gammertingen. Die Strecke taugt in ihrem heutigen Zustand leider nicht für einen nennenswerten Anteil am Berufspendlerpotential in Richtung Ulm. Sie ist einfach zu langsam. Wenn man hier mehr möchte als gelegentlichen Ausflugsverkehr oder Schülerverkehr in bescheidenem Umfang, so müsste die Strecke zwischen Münsingen und Schelklingen vor allem schneller gemacht werden. Teilweise wird an schlecht einsehbaren Bahnübergängen sogar angehalten, während an Bahnhöfen durchgefahren wird, weil niemand ein- oder aussteigen möchte. Einen gewissen Sinn könnte man noch in der Verdichtung zwischen Schelklingen und Ulm sehen, wo die HzL-Züge heute in der Verkehrsspitze leider nicht alle Fahrgäste befördern können, weshalb es bislang einen umfangreichen Busparallelverkehr ab Herrlingen nach Ulm gibt (zahlreiche Gelenkbusse im Einsatz). Wenn nun die Regio-S-Bahn Donau-Iller den Halbstunden-Takt (bzw. Rhythmus) bringt, entfallen vielleicht diese Fahrten.

Umso mehr wäre es notwendig, die für die Schwäbische Albbahn in Aussicht gestellte Machbarkeitsstudie jetzt anzugehen. Zielsetzung müsste dabei neben dem Anschluss an die Regional-Stadt-Bahn Neckar-Alb in Engstingen vorallem auch die Ertüchtigung der Schwäbischen Albbahn auf eine für den täglichen Nutzer vertretbare Reisegeschwindigkeit sein. Es wird da ohnehin für die Relation Münsingen - Ulm ab Dezember 2022 schwierig werden, denn die Fahrzeit mit dem Bus via Merklingen wird 70 Minuten bis Ulm incl. einer ausreichenden Umsteigezeit in Merklingen) betragen und den ganzen Tag über funktionieren, während die SAB nur sehr selten entsprechende Verbindungen bietet.

Im Übrigen, es wird auch eine Zeit nach der Pandemie und mit der Notwendigkeit eines verstärkten Klimaschutzes geben. Nach allen Anzeichen, die ich habe, wird das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs ausgebaut werden, auch in ländlichen Räumen wie etwa im Landkreis Reutlingen oder im Alb-Donau-Kreis oder Göppingen, also grob gesagt im ganzen "Biosphärengebiet" auf der Schwäbischen Alb. Gestern bin ich beispielsweise von Westerheim auf der Schwäbischen Alb nach Tübingen gefahren. Zwischen 13:13 und 18:41 bietet der Fahrplan 7646 des RAB keine vernünftige Verbindung nach Bad Urach, wo stündlich (zukünftig halbstündlich) ich weiterfahren könnte. Über Laichingen - Feldstetten - Zainingen gab es dann doch noch eine zwischenzeitliche Verbindung, bei welcher ich immerhin die Ersatzhaltestelle Laichingen ZOB Mitte in der Gartenstraße nutzen konnte und so nebenbei dort die Bauarbeiten für den neuen Verknüpfungspunkt Laichingen ZOB Mitte mir anschauen konnte. In Bad Urach angekommen, musste ich ca. 10 Minuten auf den 650er in Doppeltraktion Richtung Herrenberg warten und eine Unmasse von PKWs sind zwischen den Gleisen und dem Bahnhofsgebäude aus Richtung Reutlingen/Metzingen auf der B 28 in Richtung Schwäbische Alb gefahren, Berufsverkehr in stärkster Ausprägung. Im Bus ab waren selten mehr als 3 Fahrgäste...

Auch in Blaubeuren, wo ich tags zuvor unterwegs war, haben die Arbeiten begonnen. Aktuell gibt es dort nur noch zwei Gleise, weil ja ein neuer Mittelbahnsteig an den Gleisen 2/3 zusätzlich zum Hausbahnsteig errichtet werden wird. Immerhin, nach gefühlt 15 Jahren Diskussion, hat die DB dort jetzt auch angefangen. Das Bahnhofsgebäude ist längst verkauft einschließlich der Parkplätze daneben, die die Stadt Blaubeuren daran hindern, mehr als 3 Bussteige (benötigt würden 5) dort zu bauen.
Blaubeuren soll ja Verknüpfungspunkt für mehrere Buslinien auf die Alb von der Donautalbahn aus werden.


Viele Grüße vom Vielfahrer
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Fridinger
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Re: Stadtverkehr Reutlingen hat Probleme...

Beitrag von Fridinger »

Hallo zusammen,

der Reutlinger Stadtverkehr ist doch in einem Pilotprojekt wegen den hohen Schadstoffgehältern der Stadtluft und damit auch ausgebaut worden. Muss nun das Busunternehmen das alleine schultern oder läuft das nicht wesentlich über Zuschüsse und Finanzierungen des Aufgabenträgers (Stadt)? Gerade in den eigenwirtschaftlichen Verkehren, die wie Vielfahrer schreibt sehr rudimentäre Fahrpläne haben, wird es im Moment sicher schwierig mit der Einnahmensicherung sein, da ja kaum jemand mitfährt. Reine auf die Fahrleistung konzentrierte Unternehmen, die im Auftrag des Trägers fahren (wie die jüngsten Ausschreibungen in der Region ausschließlich nicht eigenwirtschaftlich geendet sind) dürften es momentan wesentlich leichter haben, da nur der Ausflugsverkehr wegfällt, die Linien aber durch die Träger ohne große Einschränkungen weiterbetrieben werden müssen.

Von demher stelle ich da die Frage, wo die Stadt Reutlingen steht - denn wenn weniger Busse fahren, muss sie ja ein Wort mitsprechen. Das ist nicht nur Sache des Unternehmers, der mit seinem Netto/Brutto-Vertrag Probleme hat.

Überall wo ich momentan hinfahre oder arbeite stelle ich fest, dass der Kfz-Verkehr momentan stark zunimmt und der ÖPNV oftmals fast leer nebenher oder zwischen den Autos fährt. Zu hoffen wäre es, dass da mit Abebben der Pandemie sich wieder etwas ändert, so wie der Trend ja vor der Pandemie stark zu Bahn/Bus ging.
Einzig letzte Woche im Bereich des Seehas fällt mir auf, dass die ÖV-Nachfrage dort nicht so stark wie in anderen Gebieten nachgelassen hat. Bei sämtlichen Automatenarbeiten musste man Leute vertrösten oder an einen anderen Standort hinschicken, weil sie eine Fahrkarte wollten.
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D 1189 - Stuttgart 15:15 - Spaichingen 16:52 - Tuttlingen 17:00 - Milano Lambrate 00:14 - Lecce 12:57
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Als IT-Systemelektroniker zuständig für funktionierende Ticketautomaten bei der DB Kommunikationstechnik
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