Resolution zur Situation auf der Donautalbahn

Alles zur Donaubahn (Donautalbahn) kann hier rein.
Eine Überschneidung mit der Höllentalbahn ist möglich.
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Resolution zur Situation auf der Donautalbahn

Beitrag von Vielfahrer » Fr 29. Nov 2019, 07:55

Hallo,

der Tuttlinger Oberbürgermeister Michael Beck, zugleich Vorsitzender des Interessenverbands Donautalbahn, hat an den Bundesminister für Verkehr, Andreas Scheuer, den Minister für Verkehr in Baden-Württemberg, Winfried Hermann, den Geschäftsführer der NVBW, Herrn Volker Heepen und an den Vorstand Infrastruktur der DB AG, Herrn Ronald Pofalla, eine Resolution geschickt, in welcher er auf die Mängel der Donautalbahn eingeht. Detailliert und mit großer Fachkenntnis geht die Resolution auf Probleme der Fahrplankonzeption, der Infrastruktur und beim Fahrzeugeinsatz ein.

Viele Grüße vom Vielfahrer

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Re: Resolution zur Situation auf der Donautalbahn

Beitrag von Vielfahrer » Fr 29. Nov 2019, 20:18

Hallo,

hier habe ich noch einen Auszug aus der Resolution:

„Mängelliste“ zur Donaubahn 2019

Die „Mängelliste“ gliedert sich im Wesentlichen in die Punkte
• Fahrplankonzeption
• Infrastrukturelle und
• Fahrzeugseitige Probleme

Alle Bereiche beeinflussen sich gegenseitig, und zwar positiv wie negativ:

1. Probleme Fahrplankonzeption
Grundsätzlich ist der Fahrplan der Donaubahn eingezwängt zwischen Anschlussbeziehungen in Ulm, Sigmaringen und Donaueschingen.
Die Systemkreuzung der Züge findet aktuell fast durchweg in Bahnhöfen statt, die dafür nicht optimal ausgelegt sind: Blaubeuren, Rechtenstein und Fridingen.
Außer im Fall Blaubeuren fehlt eine gewisse Redundanz, da Zugkreuzungen im Verspätungsfall nicht in nahe gelegene Bahnhöfe verlegt werden können:
Von Fridingen aus sind es 10 km bis Hausen im Tal und 14 km bis Tuttlingen bis zur nächsten Kreuzungsmöglichkeit. Tuttlingen scheidet als Kreuzungsbahnhof infolge mangelnder Gleiskapazitäten in den fraglichen Zeiten meistens aus.
Zwischen Rechtenstein und Riedlingen besteht ein weiterer 12 km langer eingleisiger Abschnitt ohne Kreuzungsmöglichkeiten, der betrieblich einen großen Engpass darstellt.
Zudem kommt es im Abschnitt Sigmaringen – Herbertingen zum Zusammentreffen der Verkehre im Donautal mit der äußerst verspätungsanfälligen IRE-Linie Stuttgart – Tübingen – Sigmaringen – Aulendorf.
Auf Grund der dadurch vorherrschenden Zugdichte im Abschnitt Sigmaringen – Mengen (11 km) kommt es wegen fehlender Kreuzungsmöglichkeiten zwangsläufig zu gegenseitigen Verspätungsübertragungen.

2. Infrastruktur
Grundsätzliches Problem sind zu lange eingleisige Streckenabschnitte bei dichtem Zugangebot:
Stündliches Expressangebot + Ringzüge + Güterverkehr erfordert eigentlich eine weitere Kreuzungs-/Überholungsmöglichkeit, mindestens jedoch den Ausbau des Bahnhofs Fridingen für gleichzeitige Ein- und Ausfahrten, verbunden mit einer Blockunterteilung in den Abschnitten Tuttlingen – Fridingen sowie zwischen Hausen im Tal und Sigmaringen, damit die Züge in kürzeren Abständen hintereinanderher fahren können.

Sigmaringen – Herbertingen
Zwischen Sigmaringen und Herbertingen müssen fahrplangemäß 4 Züge pro Stunde (zwei je Richtung) + Güterverkehr auf einer Strecke von 17 km abgewickelt werden. Unter idealisierter Annahme einer Gleichverteilung der Fahrten erfordert dies einen Abstand der Kreuzungsmöglichkeiten mit etwa einer Distanz von 5,66 km (17/3=5,66 km). Auf dem Abschnitt Mengen – Herbertingen ist dies in etwa gegeben. Auf dem Abschnitt von Mengen bis Sigmaringen wurde bei der „Optimierung“ der Strecke für den Neigetechnikverkehr leider die Kreuzungsmöglichkeit in Sigmaringendorf aufgegeben. Vor dem Hintergrund der dargelegten Annahmen wäre daher eine weitere Kreuzungsmöglichkeit auf diesem Abschnitt erforderlich. Für eine aus heutiger Sicht reibungslose Betriebsabwicklung sollte diese neue Kreuzungsmöglichkeit im Bereich von Scheer liegen. Dabei könnte gleichzeitig die Reaktivierung des früheren Bahnhofs erfolgen.

Riedlingen – Ulm
Da es bei allen untersuchten Fahrplankonzepten auch zukünftig zu einer Begegnung der Züge in Riedlingen oder Rechtenstein kommt, sollte zur Aufrechterhaltung der betrieblichen Stabilität und vor dem Hintergrund geplanter Angebotsausweitungen im Rahmen der Regio-S-Bahn Donau-Iller der lange Abschnitt Riedlingen – Rechtenstein (12 km) geteilt werden. Eine Möglichkeit wäre die Einrichtung eines Kreuzungsbahnhofs in Zwiefaltendorf, zumal es dort bereits früher einen Bahnhof mit Kreuzungsmöglichkeit gab.

Einschränkungen bei der Infrastruktur, vor allem bei Bahnübergängen
Es kommt immer wieder zu betrieblichen Einschränkungen im Bereich von Bahnübergängen oder durch andere Infrastrukturmängel. Diese führen dazu, dass bereits heute gefahrene Angebotskonzepte nicht mehr fahrbar sind und in der Folge Halte entfallen oder ganze Linien eingekürzt werden müssen (beides in 2019 auf der Donaubahn geschehen).
Beispiel Bahnübergang Talhof (bei Hausen im Tal). Dort muss in Folge eines Verkehrsunfalls nun dauerhaft langsam gefahren werden, bis der Bahnübergang modernisiert und umgebaut worden ist. Von Seiten DB-Netz wurden diese Arbeiten für 2027 in Aussicht gestellt. Hier muss es gelingen, zusammen mit allen Akteuren eine schnellere Lösung zu finden, eventuell unter Inkaufnahme einer Sperrung des heutigen Bahnhofs für einen für einen überschaubaren Zeitraum, um damit die Angebotseinschränkungen auf der Donaubahn in Form von entfallenden Halten zu beseitigen. An anderer Stelle, wie z.B. bei der Schwäbischen Alb Bahn oder der Strecke Aulendorf-Pfullendorf, konnten Bahnübergänge in wesentlich kürzerer Zeit saniert oder sogar neu errichtet werden.
Um zukünftig plötzlich auftretende Mängel oder Ausfälle von betrieblicher Infrastruktur zu vermeiden, sollten veraltete störanfällige Bahnübergangsanlagen und andere Infrastruktureinrichtungen identifiziert und ggf. über ein Sonderprogramm saniert werden.

Bahnsteige
Um einen sicheren und zügigen Fahrgastwechsel zu erreichen, sollten zu niedrige Bahnsteige wie z.B. in Allmendingen Gleis 2 oder Riedlingen Gleis 2 schnellst möglichst durch zeitgemäße Bahnsteiganlagen ersetzt werden, die dann zudem dem Anspruch der Barrierefreiheit gerecht werden können.

Stellwerke
Um den Betriebsablauf zu stabilisieren, sollte an den Kreuzungsbahnhöfen immer die Möglichkeit gegeben sein, gleichzeitige und/oder schnelle Einfahrten durchführen zu können. Hierzu sind z.B. die Bahnhöfe Fridingen, Herbertingen und Schelklingen zu ertüchtigen.

3. Fahrzeugeinsatz
Aufgrund der hohen Attraktivität des Donautals für den Fahrradtourismus bestehen besondere Anforderungen im Donautal bei der Beförderung von Fahrrädern in Zügen.
Die bisher für die RE-Verkehre eingesetzten Neigetechnikfahrzeuge sind dafür auch nach einer Modernisierung nicht optimal geeignet. Neben dem Regelangebot zusätzlich einzusetzende Sonderzüge scheiden aufgrund der nicht vorhandenen Streckenkapazitäten in der Regel aus. Daher sollte hier hinsichtlich des zukünftigen Fahrzeugeinsatzes ein besonderes Konzept entwickelt werden.


Viele Grüße vom Vielfahrer

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