Regio-S-Bahn Donau-Iller nimmt Konturen an

Strecken in Baden-Württemberg, die unten nich aufgeführt sind.
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Regio-S-Bahn Donau-Iller nimmt Konturen an

Beitrag von Vielfahrer » Mo 21. Mai 2018, 23:15

Die Schwäbische Zeitung berichtet über die Regio-S-Bahn Donau-Iller, deren Netz von der Schwäbischen Alb bis ins Allgäu und nach Oberschwaben reicht. Es erstreckt sich über das Gebiet der sechs Landkreise Alb-Donau-Kreis, Landkreis Neu-Ulm, Landkreis Günzburg, Landkreis Unterallgäu, Landkreis Heidenheim und Landkreis Biberach sowie die Städte Ulm, Neu-Ulm und Memmingen. Sie alle haben sich im Verein Regio-S-Bahn Donau-Iller zusammengeschlossen und bringen im Jahr 2019 insgesamt 1,6 Mio. Euro für Planungsarbeiten auf.

Das Netz soll im Endausbau folgende Strecken aufweisen:

S 1 Geislingen - Amstetten - Ulm - Laupheim Stadt - Biberach - Ummendorf (83 km)
S 2 Ulm - Langenau - Sontheim (Brenz) - Heidenheim - Aalen (73 km)
S 3 Ulm - Langenau - Sontheim (Brenz) (31 km)
S 4 Ulm - Günzburg - Krumbach - Mindelheim - Memmingen - Tannheim (114 km)
S 5 Blaubeuren - Blaustein - Ulm - Senden - Weißenhorn (43 km)
S 6 Ulm - Senden - Illertissen - Memmingen - Tannheim (60 km)
S 7 Ulm - Laupheim West - Biberach - Aulendorf (62 km)
S 8 Ulm - Blaubeuren - Ehingen - Riedlingen (65 km)

Jede Linie soll grundsätzlich im Stundentakt verkehren, Verdichtungen z.B. bis Sontheim (Brenz) durch Überlagerungen. Ferner verkehren auf den S-Bahn-Strecken auch RE und IRE, weshalb es Doppelspurabschnitte und zusätzliche Kreuzungsbahnhöfe benötigt. Während die Stichstrecken nach Weißenhorn und Laupheim-Stadt schon seit geraumer Zeit in Betrieb sind, machen die Doppelspurabschnitte z.B. von Neu-Ulm nach Senden/Vöhringen oder auf der Brenzbahn noch Probleme. Im Donautal steht auch noch nicht endgültig fest, wo der zusätzliche Kreuzungspunkt hin soll, weil das Land die Frage der Zukunft von Neigetechnikzügen noch nicht abschließend beantwortet hat.

Viele Grüße vom Vielfahrer

Fridinger
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Re: Regio-S-Bahn Donau-Iller nimmt Konturen an

Beitrag von Fridinger » Di 22. Mai 2018, 10:28

Das sind aber auch wieder S-Bahn-Linien, die an ihren Endpunkten dann teilweise nur im Stundentakt oder noch seltener ankommen. Ich frage mich schon bei der Rhein-Neckar-S1 (Homburg, Saarland - Osterburken, BaWü, insgesamt mehr als 200km Fahrstrecke), warum solche Distanzen S-Bahn-Fahrzeuge benötigen. Das gleiche im Karlsruher Bereich, wo jetzt auf den Außenstrecken wieder auf EBO-Fahrzeuge umgestellt wird, nicht zuletzt wegen fehlenden Komfort (Keine Toiletten auf einer 2h-Fahrt kann schon anstrengend werden).
Diese Signatur verspätet sich aufgrund von Verzögerungen im Betriebsablauf um wenige Minuten.

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Re: Regio-S-Bahn Donau-Iller nimmt Konturen an

Beitrag von Vielfahrer » Di 22. Mai 2018, 12:43

Hallo Fridinger,

die S-Bahnen verkehren zusätzlich zu den IRE bzw. RE-Zügen, so dass eigentlich niemand, der z.B. von Ulm nach Aalen möchte, auf die S-Bahn angewiesen ist. Dies ist ein großer Unterschied etwa im Vergleich zur Strecke Heidelberg - Osterburken - Würzburg. Auf der Südbahn sollen alle 30 Minuten schnelle Züge (von Stuttgart kommend über die Filstalstrecke bzw. über die NBS) nach Friedrichshafen verkehren, dann die S-Bahn zusätzlich bis Aulendorf ohne Laupheim-Stadt, eine weitere S-Bahn bis Ummendorf (mit Laupheim-Stadt) und, wenn es nach der Region geht, noch eine S-Bahn bis Laupheim-Stadt. Ähnlich auf der Illertalbahn oder anderen Strecken. Auf der Donautalbahn ist der Stundentakt Richtung Tuttlingen unbestritten mit IRE-Zügen, die S-Bahn verkehrt zusätzlich bis Riedlingen sowie eine Verdichter- bzw. Entlastungs-S-Bahn bis Blaubeuren. Diese sollen bis Weißenhorn durchgebunden werden, das zukünftig einen 30-Minuten-Takt erhalten soll, weshalb die Strecke nach Senden zwingend zweigleisig auszubauen ist. Interessant, dass der Umbau des Bahnhofs Senden, den die Gemeinde Senden alleine stemmen sollte, nunmehr zu einem regionalen Projekt geworden ist. So zahlt z.B. Heidenheim im Interesse des Gesamtsystems mit, um in Senden bauchbare Verhältnisse zu schaffen.
Alles in allem denke ich, dass man es in Ulm schon begriffen hat, wie man den ständigen Verkehrsstaus zu Leibe rücken kann. Auch innerstädtisch geht es voran mit der Stadtbahnlinie von der Wissenschaftsstadt zum Kuhberg (Schulzentrum) und auch mit den regionalen Busverkehren, die stärker als bislang vertaktet werden sollen. Dabei werden viele Relationen durch Brechung im Hinterland auf die S-Bahn bzw. deren Vorläufer stark beschleunigt (vgl. Weißenhorn, Senden, Langenau, Ehingen/Donau, Laupheim Stadt usw.).
Interessant ist auch der Raum Memmingen, wo eine Art eigene S-Bahn entstehen soll mit zahlreichen zusätzlichen Halten, u.a. am Berufsschulzentrum im Westen Memmingens.

Viele Grüße vom Vielfahrer

Goldberger
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Re: Regio-S-Bahn Donau-Iller nimmt Konturen an

Beitrag von Goldberger » Di 22. Mai 2018, 20:44

Sinnvoll wären - wenn nach Inbetriebnahme der NBS Kapazitäten auf der Strecke frei werden, auf jeden Fall Halte in Ulm-Fachhochschue und Ulm-Jungingen. Bei ersterem bin ich mir nich sicher, inwieweit das topographischplatztechnisch gut machbar ist.
Vielleicht sogar mal perspektivisch eine Anbindung von Dornstadt, z.B. gemeinsam mit einer zweiten Anbindung des Containerterminals. Gibt es dazu Ideen / Planungen ?

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Re: Regio-S-Bahn Donau-Iller nimmt Konturen an

Beitrag von Vielfahrer » Di 22. Mai 2018, 22:40

Hallo Goldberger,

im gültigen Nahverkehrsplan für den Alb-Donau-Kreis habe ich keine Anhaltspunkte für die genannten Haltestellen gefunden, vielleicht auch deshalb, weil Nahverkehrspläne von Landkreisen ganz zwangsläufig straßenlastig sind (Landkreise = Aufgabenträger für den straßengebundenen Verkehr). Auch beim Regio-S-Bahn-Konzept Donau-Iller wurde ich da nicht fündig. Einen Sinn könnten die Haltestellen aber ganz sicher machen. Ich will die interessante Idee mal bei nächster Gelegenheit vor Ort ansprechen.

Viele Grüße vom Vielfahrer

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Re: Regio-S-Bahn Donau-Iller nimmt Konturen an

Beitrag von Vielfahrer » Do 23. Aug 2018, 08:01

Der Landkreis Unterallgäu mit Sitz in Mindelheim und das Oberzentrum Memmingen zählen mit zur Region Donau-Iller. Insofern ist die S-Bahn Memmingen Teil der Regio-S-Bahn Donau-Iller. In einem ersten Ausbauschritt ist angedacht, die Illertalbahn mit zusätzlichen Halten in Pleß, Heimertingen und Fellheim sowie in Amendingen zu versehen und über Memmingen Berufsschulzentrum bis Buxheim zu verlängern. Das wären im Raum Memmingen sechs zusätzliche S-Bahn-Haltestellen. Die zu erwartenden Fahrgastfrequenzen insbesondere beim Berufsschulzentrum im Südwesten der Stadt Memmingen werden hoch sein, zugleich liegen die Kliniken in der Nähe. Bislang müssen alle Schüler und Auszubildenden mit Bussen vom Bahnhof Memmingen quer durch die Stadt zum Berufsschulzentrum gefahren werden. Für die aus der Region anreisenden zahlreichen Schüler und Auszubildenden wird der Halt inclusive der Umsteigemöglichkeiten in Memmingen aus den Richtungen Buchloe und Kempten von großem Vorteil sein, für den Stadtverkehr Memmingen hingegen bricht eine wichtige Finanzierungsquelle ein.

Schade ist, dass die S-Bahn nicht bis ins baden-württembergische Tannheim verlängert wird. Aufgrund der engen Verflechtungen über die Landesgrenze hinweg wäre dies für die Fahrgäste sehr vorteilhaft. Das Berufsschulzentrum in Biberach liegt gut eine Stunde mit dem Bus entfernt, in Memmingen wäre man binnen 5 Minuten.

Viele Grüße vom Vielfahrer

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Re: Regio-S-Bahn Donau-Iller nimmt Konturen an

Beitrag von Vielfahrer » Sa 29. Sep 2018, 12:30

In dieser Woche hat die bayrische Verkehrsministerin Ilse Aigner im Landratsamt Neu-Ulm eine Kooperationsvereinbarung mit dem Verein Regio-S-Bahn Donau-Iller unterzeichnet. Damit unterstützt nach Baden-Württemberg auch Bayern die Regio-S-Bahn Donau-Iller. Ziel ist es, die Schiene insbesondere im stark belasteten Illertal attraktiver zu machen. Rund 7.500 Fahrgäste werden aktuell auf der eingleisigen Strecke pro Tag gezählt. Die Illertalbahn gehört damit mit zu den am stärksten genutzten eingleisigen und nicht elektrifizierten Bahnlinien in Deutschland.

Wir sind beim Thema ÖPNV im Aufbruch und brauchen Unterstützung“, sagte der Neu-Ulmer Landrat und Vize-Vorsitzender des Regio-S-Bahn-Vereins, Thorsten Freudenberger. Der Vertrag sei ein „Meilenstein“. Vereins-Geschäftsführer Oliver Dümmler sagte, die auf den Weg gebrachte Modernisierung des Sendener Bahnhofs und der längst beschlossene Bau von vier zusätzlichen Halten im Memminger Raum brauche es, um die Illertalbahn als „wichtigste Säule“ im System zu stärken. Dazu müsste zumindest teils ein zweites Gleis sowie eine Oberleitung kommen.

Aigner verwies darauf, dass die Staatsregierung die Illertalbahn als vordringlich zu elektrifizierende Strecke eingestuft und diese in ein darauf ausgelegtes Sonderprogramm des Bundes eingetragen hat. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft untersuche zudem, welcher Ausbau notwendig und wirtschaftlich wäre.
Ende 2017 hat der Verein mit Baden-Württemberg ebenfalls eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Dem Verein Regio-S-Bahn Donau-Iller gehören inzwischen 91 Gemeinden, Landkreise und Verbände an. Der länderübergreifende Ansatz des Vorhabens sei ein Pluspunkt, so Aigner, um die nötige finanzielle Unterstützung aus dem Bundesverkehrsministerium zu bekommen.

Bis die Illertalbahn, die in den vergangenen Jahren u.a. auch wegen der Reaktivierung der Strecke Senden - Weißenhorn massive Zuwächse bei den Fahrgastzahlen verzeichnet hat, tatsächlich ausgebaut wird, wird noch einige Zeit vergehen. Einen festen Zeitplan gibt es noch nicht. Für die Vertreter der am S-Bahn-Projekt beteiligten Städte und Landkreise ist es aber wichtig, dass sie nun einen weiteren starken Partner an ihrer Seite haben. Das soll auch dazu führen, dass mehr Tempo in die Sache kommt. „Die Klammer zwischen den Ländern ist wichtig“, sagte Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch (CDU). Mit der Vereinbarung sei deshalb ein Meilenstein erreicht worden.

Der Neu-Ulmer Landrat Thorsten Freudenberger (CSU) nannte sie „eine entscheidende Wegmarke“. Es sei gut, „dass wir jetzt ein klares Bekenntnis haben“, sagte Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg. Er mahnte aber: „Wichtig ist, dass der Umbau des Sendener Bahnhofs zügig durchgeführt wird.“ Das sieht auch Ilse Aigner so. Den Allgäuern sagte sie außerdem zu: „Wir wollen die Memminger Halte, (also Pleß, Fellheim, Heimertingen, Amendingen, Memmingen Berufsschulezentrum und Buxheim).

Viele Grüße vom Vielfahrer

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