Ergebnisse des Städtebaulicher Wettbewerbs Rosensteinviertel

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Vielfahrer
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Ergebnisse des Städtebaulicher Wettbewerbs Rosensteinviertel

Beitrag von Vielfahrer » Do 11. Apr 2019, 21:14

Hallo,

heute habe ich mir in Stuttgart die nur für kurze Zeit ausgestellten Modelle und Pläne des städtebaulichen Wettbewerbs im Rosensteinviertel angesehen. Die Stadt Stuttgart hat für die ab Inbetriebnahme von S 21 freiwerdenden Gleisflächen einen Wettbewerb unter Städteplanern, Landschaftsplanern, Verkehrsplanern und Architekten gestartet, dessen Ergebnisse im Stadtpalais in Stuttgart (U-Bahn-Haltestelle Charlottenplatz) zu sehen sind. Neben mehreren Modellen sind an Stellwänden zahlreiche Pläne und Erläuterungen ausgehängt, aus denen Details zu sehen sind, etwa zur derzeitigen Gäubahn. Tatsächlich habe ich eine vorläufige Endhaltestelle der Gäubahn unmittelbar beim Nordbahnhof Stuttgart entdeckt. Sie ist unmittelbar südlich des Studentenwohnheims Nordbahnhof bzw. westlich der Nordbahnhofstaße vorgesehen. Mit einem Fußweg (weniger als 100 Meter) zum bestehenden S-Bahnhof Stuttgart Nord kann dann auf die S4, S5 und S6 umgestiegen werden.

Der weitere Verlauf der Gäubahntrasse in Richtung Kopfbahnhof soll in einen Panorama-Radschnellweg umgewandelt werden, der entsprechend dem heutigen Gleisbogen durch die neue Siedlung führen soll. Das Mobilitätskonzept für den neuen Stadtteil mit ca. 7.500 Wohnungen geht von einer optimalen Vernetzung der unterschiedlichen Verkehrsträger und autoarmer Siedlungsstruktur aus. Besonderer Wert wird auf nachhaltige und Multimodalität gelegt. Nutzungsmischungen in den Quartieren führen zu kurzen Wegen und einer besseren Erschließung zu Fuß und mit dem Rad. Geringe Straßenquerschnitte senken die Regelgeschwindigkeit des Verkehrs. Die Haupterschließung für den PKW-Verkehr erfolgt aus Richtung Norden über die zur Presselstraße verlängerte Rosensteinstraße. Die Ehrmannstraße wird zur Vermeidung von Durchgangsverkehren nicht mehr an die Rosensteinstraße angebunden. Aus südlicher Richtung wird das Plangebiet ebenfalls über die Rosensteinstraße erschlossen. Sowohl im Norden wie im Süden zweigt von der Rosensteinstraße eine Erschließungsstraße ab. Der motorisierte Verkehr wird bereits am Rand der Quartiere abgefangen. Hierzu werden hinreichend dimensionierte Quartiersgaragen (Quartier-Hubs) mit Ladestationen für E-Fahrzeuge errichtet, in die neben privaten Stellplätzen auch Mobilitätsstationen integriert werden. Generell stellen Parkhäuser bzw. Parkpaletten nachhaltigere Lösungen als Tiefgaragen dar, da je nach zukünftigen Fahrzeugbesitz Flächen im ruhenden Verkehr entfallen und hier neue Nutzungen entstehen können. Ein flächendeckendes Angebot an elektrischen Carsharingfahrzeugen in den Parkgaragen soll den Bestand an PKW-Stellplätzen reduzieren. In den Quartieren werden Anliegerstraßen vorgesehen, die eine weitere Erschließung ermöglichen. Die Quartiere selbst sind autofrei und ohne private Stellplätze. Die Wohnwege werden als Shared Space verkehrsberuhigt ausgeführt. Das Europaquartier wird über die Bestandsstraßen im Ringverkehr erschlossen und an die Wolframstraße angebunden. Das Quartier Wagenhallen erhält nördlich des Pragfriedhofs über die verlängerte Bestandsstraße einen zweiten Anschluss an die Heilbronner Straße (nur Rechtsabbieger). Die Quartiere werden von einem durchgängigen Radwegenetz durchzogen. Insbesondere die neu konzipierten Radschnellwege entlang der nördlichen Bahntrasse bzw. parallel zur Platanenallee im Rosensteinpark vernetzen das Gebiet sehr gut und mit den innerstädtischen Hauptzielen und dem Hauptbahnhof. Zur Reduzierung des MIV werden zentrale Abstellanlagen angeboten mit Leihstationen für Räder und Lastenräder. Ladestationen für Pedelecs und Paketstationen werden in die Hubs integriert. ÖPNV-Haltestellen werden flächendeckend integriert, wobei ein Erschließungsradius von 200 m angesetzt wird. Geplant wird mittelfristig, autonom fahrende Kleinbusse im On-Demand-Verkehr einzusetzen, die elektrisch betrieben werden und eine individuelle Vernetzung mit den S-Bahn-Stationen ermöglichen. An den S-Bahn-Haltestellen befinden sich überdachte Abstellanlagen für private Fahrräder zur Förderung der Multimodalität. An den S-Bahn-Stationen werden Mobilitätspunkte eingerichtet mit Car-, Bike- und E-Roller-Sharing.

Eine Beibehaltung des derzeitigen ca. 20 m hohen Bahndamms der Gäubahn wird nicht empfohlen, weil sie zwischen den bestehenden und neuen Stadtquartieren als Barriere wirken würde. Um die Trennungswirkung aufzuheben, wird die Topographie des Dammes, beginnend von den Brückenbauwerken am Löwentormuseum Richtung Bahnhof so modifiziert, dass im zentralen Bereich zwischen Mittnachtstraße und Steinbeisstraße die Barriere weitgehend entfernt wird. Das Prinzip des Bogens wird auf den ganzen Park als Gestaltungselement übertragen. Sich überschneidende Wegebögen ergeben ein Geflecht aus Wegen und ein Patchwork aus Teilflächen. Über den gesamten Bogenpark ergeben sich damit vielfältig programmierbare Flächen. In Teilbereichen sind sie intensiv begrünt, übernehmen ökologische Aufgaben (Biodiversität, Stadtklima). Andere Flächen sollen in einem bürgerschaftlichen Prozess angeeignet und gestaltet werden. Dieser neue Park unterscheidet sich damit ganz bewusst von den klassischen Parks in der Umgebung, die in ihrer Nutzung von ihren Planern determiniert wurden. Da sich der neue Park als Bürgerpark versteht, wird seine Gestaltung der Verantwortung der Bürger überschrieben. Wichtige Teilbereiche wie Spiel- und Sportflächen sowie die Frequenzbringer im Park werden als Ankernutzungen vorprogrammiert. So wird im Zentrum ein Bürgerhaus mit Cafe angeordnet, auch Nutzungen wie ein Wochenmarkt sind möglich. Richtung Europaviertel werden Fragmente des Damms erhalten und die barrierefreie Wegeführung in Richtung der bestehenden Parks ermöglicht.

Viele Grüße vom Vielfahrer

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