Ringzug-Verlängerung bis St. Georgen

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Re: Ringzug-Verlängerung bis St. Georgen

Beitrag von Vielfahrer » Di 24. Okt 2017, 23:07

Der in Augenschein genommene Standort liegt westlich der Richthofenbrücke. Aus nördlicher Richtung zum Bahnsteig in Richtung St. Georgen wäre der Zugang über den Real-Parkplatz möglich. In Richtung Villingen würde der Bahnsteig gegenüber liegen, also etwa oberhalb der Parkplätze beim Mangemant-Zentrum/Gewerbe-Akademie.

Mit dem Einzugsgebiet hat Du insofern recht, als sich im 500-Meter-Umkreis derzeit nur rund 1.500 Einwohner finden. Im 1000 Meter Umkreis sind es 8.000. Zieht man um den Villinger Bahnhof einen 1000 Meter-Umkreis, so kommt man dort auf 11.200 Einwohner. Also der Villinger Westen bringt es etwa auf 3/4 des Einzugsbereichs vom Villinger Bahnhof. Die entsprechenden Zahlen stammen allerdings aus dem Jahr 2013. Mit der Aufsiedlung des im 500-Meter-Radius liegenden Lyautay- und Mangin-Geländes wird jedoch die Einwohnerzahl stark zunehmen. Und Bibliotheken, Ämter usw., die dort von der Stadt angedacht sind, sind als Ziel sicherlich attraktiv.

Die Bahnsteige müssen nach Auskunft der NVBW eine Länge von 140 Metern aufweisen, ferner eine Mindestbreite von 2,50 Metern und nach Möglichkeit 55 cm hoch sein. Hintergrund ist, dass über mittlere Sicht die RegioShuttles ersetzt werden müssen und neue Triebwagen in der Regel dreiteilig sind und ca. 70 Meter lang sind. Um Überführungsfahrten oder Flügelungsfahrten usw. durchführen zu können, hat das Land die 140 Meter festgelegt (übrigens auch bei der Breisgau-S-Bahn). Über die Frage der Bahnsteighöhe treffen sich die Länder demnächst, nachdem der Bund einheitlich alle Bahnsteige nur noch mit 76 cm zulassen will. Sämtliche Ringzugbahnsteige wären damit zu erhöhen, auch der neu gebaute Bahnsteig in St. Georgen, der richtig was hergibt oder der im Bau befindliche Bahnsteig in Donaueschingen. In Villingen wurde der mit 55 cm geplante Ausbau gestoppt. Von 38 cm im Status quo soll es gleich doppelt so hoch sein, allerdings dann wohl mit dem Preis von Treppenstufen/Rampen, um ins Bahnhofsgebäude zu gelangen. Weil man sich über die Höhe nicht einig werden kann, ruhen in Villingen derzeit die Planungsarbeiten.

Völlig klar ist, dass die zusätzlichen Ringzugbahnsteige wie die schon bisher vorhandenen allesamt barrierefrei geplant werden müssen. Im Falle der Station Villingen-West wird man um einen Aufzug wohl nicht herum kommen am Richtungsgleis Konstanz, da es doch mehrere Meter hoch geht.

Die Planungsarbeiten sollen in den kommenden Wochen vergeben werden, wobei nur spezielle Planungsbüros in Betracht kommen werden, da z.B. auch Auswirkungen auf die Leit- und Sicherungstechnik usw. zu berücksichtigen sind. Im ersten Schritt der Planungen wird es nur um eine belastbare Größenordnung gehen, um im Hinblick auf eine GVFG-Förderung die entsprechenden Nutzen-/Kosten-Betrachtungen durchführen zu können. Die eigentliche Planung nach HOAI wird dann erst nach dem Grundsatzbeschluss gestartet werden.

Viele Grüße vom Vielfahrer

wolfgang65
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Re: Ringzug-Verlängerung bis St. Georgen

Beitrag von wolfgang65 » Mi 25. Okt 2017, 13:55

Du meinst Rewe - nicht Real - den gibts da nicht. Trotzdem eine denkbar topologisch ungünstige Stelle für eine Haltestelle.

Wenn Du von 1000m Umkreis redest, ist das nicht wirklich real - ein Großteil ist die Innenstadt und die geht gleicht zum normalen Bahnhof. Es bleiben also nur die potentiellen neuen Gebiete auf der ehemaligen Kaserne, ein Teil des Kurgebiets usw. Aber 10min Fussweg hat dort nichts mit 1000m Luftlinie zu tun, das sollte jedem klar. Probiers doch mal aus....

Grüße

Wolfgang

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Re: Ringzug-Verlängerung bis St. Georgen

Beitrag von KBS720 » Mi 25. Okt 2017, 16:28

wolfgang65 hat geschrieben:Aber jetzt mal im Ernst - Wo soll diese Haltestelle exakt hin? Wirklich an die Richthofenbrücke?? Der Bahndamm ist nicht niedrig und bis auf den Rewe Parkplatz fällt mir da kein möglicher freier Aufgang ein?
Seitdem dem Bahnsteig in Göllsdorf wissen wir doch alle, dass nichts am Bahndamm unmöglich ist.

Ich würde sagen, wir warten einfach mal alle ab. Wo ich die nächsten 7 Jahre< aufwärts noch das Problem sehe, ist eher das Vereiningen in Villingen. Ich glaube davon sollte man bei zeitnaher Umsetzung erstmal Abstand halten *halt*

Grüße Andreas
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Re: Ringzug-Verlängerung bis St. Georgen

Beitrag von Vielfahrer » Sa 5. Mai 2018, 11:33

Ja, er soll an die Richthofenbrücke und zwar in westlicher Richtung. Im Süden ist das Gebäude der Handwerkskammer, im Norden REWE. Die Planungen der Stadt Villingen-Schwenningen sehen vor, im Bereich des Konversionsgeländes alle städtischen Dienststellen zu konzentrieren, also die Rathäuser in Schwenningen und in Villingen dorthin zu verlagern. Von Villingen-West aus wären es ca. 400 Meter zu Fuß zu diesem städtischen Dienstleistungszentrum, also ca. 5 Minuten. Bis zum Bahnhof Villingen wäre man ca. 1.800 Meter quer durch die Stadt zu Fuß unterwegs, also ca. 20 Minuten. Ferner sollen in dem Konversionsgebiet zahlreiche Wohnungen gebaut werden, so dass hier ein enormer Bevölkerungszuwachs in nächster Nähe zur Bahnhaltestelle zu erwarten ist.

Die Prognosen für diesen Haltepunkt sind ausgesprochen gut. Erwartet wird eine vierstellige Zahl an täglichen Nutzern. Überlegt werden muss, wie lange die Bahnsteige dort werden müssen. Seitens DB-Regio bestehen aufgrund der erwarteten Attraktivität eines Halts an diesem Ort auch Überlegungen, dort mit der Schwarzwaldbahn ggf. zusätzlich zu halten.

Viele Grüße vom Vielfahrer

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Re: Ringzug-Verlängerung bis St. Georgen

Beitrag von wolfgang65 » Sa 5. Mai 2018, 13:04

Für alle die nicht wissen wo das ist - hier ein Google Maps Link (Screenshot würde rechtliche Probleme geben)

Google Maps

Grüße

Wolfgang

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Re: Ringzug-Verlängerung bis St. Georgen

Beitrag von Vielfahrer » So 21. Okt 2018, 22:29

Die Fa. Zwicker Bauconsult hat für die geplanten Haltestellen zwischen Villingen und St. Georgen inzwischen eine Grobkostenschätzung erstellt. Der Bau von Außenbahnsteigen in Villingen-West, Peterzell-Königsfeld, Peterzell Dorf und St. Georgen-Industrie kommt auf etwa 12 Mio. € für die 8 Bahnsteige. In diesen Kosten sind die Bahnsteige, Verlegung von Kabelkanälen, Versetzen von Oberleistungsmasten, Zuwegungen, Wetterschutzhäuser, Vitrinen, Streugutbehälter, Abfallbehälter, Sitzbänke, Wegeleitsystem, Funkuren, Beschallung, Beleuchtung, Fahrausweisautomaten, Dynamische Schriftanzeiger, Landschaftspflegerische Maßnahmen, Aufzüge (wo erforderlich), usw. enthalten. In den Kosten sind 13% für Baustelleneinrichtung und weitere 33% für Planungs- und Verwaltungskosten enthalten. Die reinen Bahnsteigkosten betragen ca. 4.2 Mio. €.

Der Haltepunkt Peterzell Dorf war eine Zeit lang kritisch gesehen worden, da er in einer Kurve liegt und die vorhandene Überhöhung der Gleise zu einem unzulässig breiten Spalt zwischen Bahnsteigkante und Fahrzeug geführt hätte. Hierfür wurde zwischenzeitlich jedoch eine Lösung gefunden.

Der Halt Villingen West liegt nahe zum geplanten Mangin-Konversionsgelände. Bekanntlich gibt es die Absicht, dort die (innere) Verwaltung der Stadt Villingen-Schwenningen zu konzentrieren und den Wohnungsbau zu intensivieren. Vom Bahnhof Schwenningen aus könnte Villingen-West stündlich umsteigefrei in ca. 15 Minuten mit Zwischenhalten am Eisstadion, Zollhaus, Marbach-West und Villingen Bahnhof erreicht werden. Mit dem Metropolexpress bzw. dem Trossinger Shuttle käme ggf. eine weitere stündliche Verbindung hinzu, die jedoch zwischen Schwenningen und Villingen ohne Zwischenhalte verkehren soll. Auch aus Richtung Bräunlingen - Hüfingen - Donaueschingen ist die Verlängerung bis Villingen West angedacht, wobei die Züge am früheren Bahnhof Kirnach wenden sollen.

Viele Grüße vom Vielfahrer

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Re: Ringzug-Verlängerung bis St. Georgen

Beitrag von KBS720 » So 21. Okt 2018, 22:56

Nabend,

interessante Infos, dankeschön.
Vielfahrer hat geschrieben:
So 21. Okt 2018, 22:29
Auch aus Richtung Bräunlingen - Hüfingen - Donaueschingen ist die Verlängerung bis Villingen West angedacht, wobei die Züge am früheren Bahnhof Kirnach wenden sollen.
Mit welchen Hintergedanken soll das erfolgen? Villingen West dürfte ziemlich genau bei km 84,0 liegen. Also noch genau 800m vor den Einschaltkontakten der Bü 81,8 (ex Bf Kirnach) und km 79,3 (Melek). Einziger Grund der mir im Moment einfallen würde wäre die Tatsache das man im Moment zwischen dem Einfahrvorsignal (83,6~) und dem Einfahrsignal A in km 84,6 wenden würde. Da das ganze aber eh erst mit einem ESTW* gut machbar wäre, würde dort sicherlich ein Vorsignalwiederholer seinen Platz finden. Mal sehen wann das ganze wirklich kommt und ob das ESTW* dann schon da ist.

Grüße Andreas

*vielleicht bis dahin auch ein DSTW
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Re: Ringzug-Verlängerung bis St. Georgen

Beitrag von Vielfahrer » So 21. Okt 2018, 23:14

Am früheren Bahnhof Kirnach gibt es keine Bahnsteige mehr, auch ist dort keine Wohnbebauung vorhanden. Es gibt aber durchaus einen Hintergedanken: Zwischen Villingen und Furtwangen soll spätestens ab 2022 eine RegioBus-Linie eingerichtet werden, die aus Richtung Villingen nach Furtwangen verkehrt und in Villingen im 30er-Knoten, in Vöhrenbach im Nullknoten liegen soll. Wenn diese Linie am Bahnhof Kirnach einen Halt einlegen würde, so käme es zu einem günstigen Eckanschluss zwischen den Richtungen Furtwangen - Vöhrenbach - Kirnach (- Villingen) und dem Ringzug von Tuttlingen über Rottweil Stadtmitte - Villingen - Kirnach nach St. Georgen, also könnte man jede Stunde schnell zwischen Unterkirnach, Vöhrenbach und St. Georgen fahren, ohne den zeitraubenden Umweg über Villingen nehmen zu müssen. Da die Fahrpläne nullsymmetrisch aufgebaut sein werden, würde die Verbindung in beiden Richtungen klappen. Mit den geplanten Anschlüssen in Peterzell-Königsfeld und auch in Vöhrenbach wäre eine Fahrt z.B. von Hammereisenbach nach Königsfeld kein Problem mehr. Zielsetzung ist es, vertaktete Systeme aufzubauen, dass stündliche Verbindungen aus jeder Richtung in jede Richtung zustande kommen, etwa so, wie das in der Schweiz längst der Fall ist und die Grundlage für eine sehr viel stärkere Inanspruchnahme des öffentlichen Verkehrs ist.

Zur Frage der Stellwerkstechnik usw. kann ich nichts beitragen. Die Studie von ZwickerBauConsult führt hierzu aber aus, dass bereits Rücksprache mit den Infrastrukturplanern der Deutschen Bahn AG zur Absicherung des Grobkonzepts hinsichtlich der DB-Anlagen geführt wurde. In der morgigen Ausschusssitzung wird die Studie von ZwickerBauConsult vorgestellt (ab ca. 16 Uhr im Sitzungssaal des Landratsamts des Schwarzwald-Baar-Kreises).

Zur lage des Haltepunkts Villingen-West: Der Standort ist an der Brücke über die Richthofenstraße in Villingen, genau bei Strecken-km 84,0 mit Zugängen zur Straße. Die Lage östliche der Überführung wäre unpraktikabel und wenig attraktiv. Die Bahnsteige liegen in Hochdammlage 6 bis 7 Meter über dem umgebenden Gelände und sollen in Fertigteilbahnsteig-Bauweise erstellt werden. Vom Parkplatz des Supermarkts nördlich ist ein Treppenzugang optional vorgesehen, von der Richthofenstraße Aufzüge. Die Nutzlänge der Bahnsteige beträgt je 120 m, die Breite 2,5 m und die Höhe 55cm über SO).

Viele Grüße vom Vielfahrer

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Re: Ringzug-Verlängerung bis St. Georgen

Beitrag von KBS720 » So 21. Okt 2018, 23:41

Hallo,

na so wird mit Kirnach ein Schuh draus. Morgen um 16 Uhr lasse ich wieder die Hebel fliegen, da hab ich leider keine Zeit *schaffner*

Grüße Andreas
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Re: Ringzug-Verlängerung bis St. Georgen

Beitrag von Vielfahrer » Mo 22. Okt 2018, 21:26

Hallo,

in öffentlichen Sitzungen des Verwaltungsausschusses des Landkreises Rottweil und des Ausschusses für Verwaltung, Wirtschaft und Gesundheit im Schwarzwald-Baar-Kreis wurde heute die Zukunftsstudie Ringzug von Herrn Rey von der Beratungsfirma SMA+Partner AG aus Zürich-Oerlikon vorgestellt. Im Schwarzwald-Baar-Kreis wurde zusätzlich über die Erweiterung des Ringzugs in Richtung St. Georgen vorgetragen und über die Bestrebungen, der Kleinstaaterei im Tarifsystem (22 Verbünde gibt es in Baden-Württemberg) mit dem Ziel einer Kooperation oder gar Verschmelzung von Verbünden entgegenzuwirken. Alle 3 Studien wurden von SMA vorgestellt, wobei die Tarifstudie noch ganz am Anfang steht und erst gegen Ende kommenden Jahres mit Ergebnissen zu rechnen sein wird.
Im Landkreis Rottweil erging der einstimmige Beschluss, dass die Landkreisverwaltung an der Zukunftsstudie Ringzug weiterarbeiten soll und dabei insbesondere die Elektrifizierung der Strecke Rottweil - Trossingen - Villingen-Schwenningen im Blick haben soll. Von einer durchgehenden RE-Linie (später MEX-Linie) Stuttgart - Rottweil - Villingen-Schwenningen werde der Landkreis Rottweil ganz sicher profitieren, insbesondere auch die Städte Sulz und Oberndorf, die derzeit nur mittels eines Humpeltakts von und nach Stuttgart bedient werden und in Richtung Villingen-Schwenningen im Wesentlichen nur über zweistündliche Verbindungen verfügen. Der Bau weiterer Haltestellen (gemäß SMA-Studie hat Rottweil Stadtmitte die zweithöchste Erschließungswirkung im Ringzuggebiet nach Tuttlingen Stadtmitte) sieht der Landkreis Rottweil aus finanziellen Gründen vorrangig als kommunale zu finanzierende Maßnahme. Dies trifft auch auf den Halt Deißlingen-Lauffen zu. Von Vertretern der Stadt Schramberg wurde der Ringzug als Erfolgsmodell bezeichnet. Ob es zu einem Ringschluss kommen könne, sei sicherlich offen. Angemahnt wurde aber eine verbesserte Busverbindung von Oberndorf über Schramberg nach St. Georgen, die aber nach Ansicht der Rottweiler Landkreisverwaltung eher nicht finanzierbar sei. Man müsse sich diesbezüglich auch mit dem Nachbarlandkreis in Villingen abstimmen, der eine Regiobuslinie Schramberg - Hardt - Königsfeld - Villingen bevorzuge.

Im Ausschuss für Verwaltung, Wirtschaft und Gesundheit in Villingen trug Herr Rey die Zukunftsstudie zum insgesamt dritten mal vor (vor 14 Tagen schon in Tuttlingen). Er erläuterte, wieso man auf die Variante C 4 gekommen sei (also die Elektrifizierung aller Ringzugstrecken mit Ausnahme des Abschnitts Abzw. Hintschingen - Blumberg-Zollhaus) und stellte die Rahmenbedingungen auf Gäubahn, Schwarzwaldbahn, Breisgau-S-Bahn und Donautalbahn vor. Grundsätzlich wäre eine Hybrid-Variante auch denkbar, Berechnungen von SMA hätten jedoch ergeben, dass man mit einer Elektrifizierung besser fahre. Die Fahrzeuge wären ausgereift und würden von verschiedenen Anbietern angeboten, während die Hybridtechnologie eher noch in den Kinderschuhen stecken würde. Weil der Schwarzwald-Baar-Kreis auch sein großes Interesse an einer umsteigefreien Verbindung nach Stuttgart geäußert habe, würde die Hybridtechnologie dazu führen, dass man ab Rottweil bis Stuttgart selbstverständlich unter Fahrdahrt fahren würde, aber das Gewicht der Batterien auf langer Strecke mitschleppen müsse, was weniger sinnvoll sei. Dies wurde letztlich von allen so auch gesehen.
SMA stellte dann das Linienkonzept vor, ging auf die unterstellten Fahrzeuge ein und nannte Hausnummern zum erforderlichen Invest, allerdings mit einer Einschränkung von +/- 50%, wie es bei Machbarkeitsstudien gängige Praxis ist. Um nur mal eine Hausnummer zu benennen: Ohne die im Rahmen der Zukunftsstudie schon als realisiert betrachtete Erweiterung nach St. Georgen sind satte 100 Mio. € erforderlich, um die Strecken zu elektrifizieren und zu modernisieren (mit zusätzlichen Haltestellen).
Dass bei solchen Summen der eine oder andere Kreisrat mehr als nur die Augenbrauen hochzieht, ist nachvollziehbar. Aus diesem Grund wurde auch in keinem der drei Kreistage ein Umsetzungsbeschluss gefasst. Es wurde festgestellt, dass die Zukunftsstudie einen sehr interessanten Weg aufzeigt und dass der Ringzug auch unter geänderten Randbedingungen für die Region sehr wohl ein attraktives Angebot auch in Zukunft darstellen wird. Auch in Villingen wurde einstimmig beschlossen, dass an der Zukunftsstudie weiter gearbeitet wird. Der nächste Schritt wird sein, dass verlässliche Fahrgastzählungen durchgeführt werden. Seitens der HzL wurden seit November 2012 keine Daten mehr geliefert, weder an das Land noch an die Landkreise. Wer nun eine überprüfbare Prognose zukünftiger Fahrgastenwicklungen abgeben möchte, der kommt nicht umhin, den Status quo komplett zu erfassen (Zählungen und Fahrgastbefragungen an den Verkehrstagen Mo, Di-Do, Fr, Sa, So sowie an Ferientagen), und zwar in den Ringzügen ebenso wie in den DB-Zügen. Die im kommenden Frühjahr zu ermittelnde Fahrgastnachfrage wird dann den aktuellen Angeboten gegenübergestellt und es werden über kürzere Reisezeiten und umsteigefreie Verbindungen usw. weitere Nachfragen induziert, die zu Mehreinnahmen führen und damit einen finanziellen Nutzen erzeugen, der den noch spitz zu ermittelnden Kosten gegenübersteht. Spitz meint in diesem Zusammenhang, dass gemäß HOAI Phase I und II die voraussichtlichen Kosten zu ermitteln sind und zwar deutlich genauer als die +/- 50%-Angaben.
Weiter stellte SMA den aktuellen Sachstand zur Erweiterung nach St. Georgen vor. Hier hatten sich Schwierigkeiten beim Halt in Peterzell Dorf ergeben, nachdem erkannt wurde, dass die Überhöhung (Kurvenlage) doch stärker ist als zulässig, um Bahnsteige zu bauen. SMA hatte dann vorgeschlagen, die Überhöhung soweit zurückzunehmen, dass der Spalt zwischen Zug und geplanter Bahnsteigkante zulässige Werte erreicht. Dies ist bautechnisch möglich, führt aber zu einem vergleichsweise geringen Verlust an Fahrzeit (wenige Sekunden für alle durchfahrenden Züge). Im Gremium gab es unterschiedliche Meinungen hierzu. Ein Ausschussmitglied sah es als einen Witz an, im Abstand von 400 Metern in Peterzell zwei Haltestellen zu bauen. Doch da saß er einem Irrtum auf. Der Haltepunkt Peterzell-Königsfeld liegt am Bahnübergang Schoren und der Haltepunkt Peterzell Dorf liegt auf Höhe der Unterführung unter der Bundesstraße fast 2 km weiter in Richtung St. Georgen. Wohl niemand aus Peterzell Dorf würde zu Fuß bis zum Bahnübergang Schoren gehen, um hier in einen Zug einzusteigen. Aus diesem Grund sollen alle Haltepunkte verfolgt werden, weil jeder für sich einen Sinn macht. St. Georgen Industrie wegen Hunderten von Arbeitsplätzen im unmittelbaren Einzugsgebiet, Peterzell Dort weil es sehr gut zur Wohnbebauung liegt, Peterzell-Königsfeld als Busknoten von Mönchweiler und nach Königsfeld und wegen des Gewerbegebiets Hagenmoos und natürlich Villingen-West (Arbeitsplätze, zentrale Einrichtungen, zukünftige Wohnbebauung). Anschließend wurde von den Vertretern von Zwicker BauConsult die Systematik ihrer Untersuchungen vorgetragen und aufgrund deren Erfahrungen Kostenschätzungen genannt. Diese stammen aus ähnlich gelagerten Projekten der RheinNeckar-S-Bahn und der Breisgau-S-Bahn. Alles in allem incl. Sicherungskosten und Planungskosten liegen die Baukosten bei ca. 12 Mio. €. Die Erweiterung des Ringzugs nach St. Georgen soll in die große Ringzugstudie eingebetten werden, da bei einem Kostenvolumen von über 50 Mio. € das lukrativere Bundes-GVFG greift (60% Bund, 20% Land, 20% Kommunen plus ca. 33 % Planungskosten).
Danach ging Herr Rey noch kurz mit einigen wenigen Folien auf die Verbünde und Tarifproblematik ein. Nach weit über eine Stunde Vortrag - es war infolge hoher Aufmerksamkeit recht still gewesen - war die kompakte Vermittlung von drei Gutachten dann doch am Rande dessen, was ehrenamtlich tätigen Räten zugemutet werden konnte. Trotzdem, der Beschluss, an der Zukunftsstudie weiterzuarbeiten, insbesondere den Nutzen zu quantifizieren und mit dem Land zu verhandeln, wurde auch in Villingen einstimmig festgehalten. Auch kam eine große Solidarität des Landkreises mit dem nordwestlichen Kreisgebiet zum Ausdruck, indem Redner aller Fraktionen die Ringzugverlängerung nach St. Georgen als notwendige Erweitung ansahen.

Der nächste Tagesordnungspunkt wurde dann von Landrat Sven Hinterseh direkt abgehandelt. Er berichtete, dass die Verwaltung vor hätte, bei auszuschreibenden Buslinien das Prinzip des Brutto-Vertrags zur Anwendung zu bringen, also das Erlösrisiko beim Landkreis zu belassen. Eine Begründung hierfür sah Landrat Hinterseh in der sowohl für den Landkreis als auch für die Verkehrsunternehmen bislang kaum transparenten Einnahmeaufteilung. Um gute Angebote zu erhalten, wolle man die Erlösseite ausklammern. Diskutiert wurde noch darüber, ob ausschließlich der Preis der Angebote ausschlaggebend sein soll oder ob noch andere Komponenten berücksichtigt werden sollten. Eine große Anzahl an erforderlichen Voraussetzungen sei ja bereits im Nahverkehrsplan geregelt (z.B. WLan, USB-Steckdosen, Taktverkehr, keine Werbung auf Scheiben, maximales Alter der Fahrzeuge usw.). Klar ist, dass Kosten immer stark von Personalkosten beeinflusst sind. So erwähnte ein Kreistagsmitglied, zugleich auch Busunternehmer, dass der WBO-Tarif von rund 17.-€ Stundenlohn ausgehe, während in Bayern nur 11,50 € bezahlt werden müssten. Am Tarifvertrag liege es nicht. Dennoch wurde auf das Beispiel Esslingen verwiesen, wo ein externer Anbieter mit mutmaßlichen Dumpingpreisen die örtlichen Unternehmen aus dem Markt gedrängt hätte. Ein Thema, bei welchem es noch viel zu diskutieren geben wird. Dies soll gemäß Landkreisverwaltung im hierfür eingerichteten Lenkungskreis geschehen.

Viele Grüße vom Vielfahrer

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