Ringzug-Verlängerung bis St. Georgen

Dinge zum Thema "Ringzug" bitte hier Posten.
Vielfahrer
Fahrdiensleiter
Fahrdiensleiter
Beiträge: 3690
Registriert: So 1. Aug 2010, 13:32
Wohnort: Tübingen Weststadt

Ringzug-Verlängerung bis St. Georgen

Beitrag von Vielfahrer » So 10. Sep 2017, 19:30

Hallo,

im vergangenen Jahr hatte ein Gutachten von SMA ergeben, dass eine Einbeziehung von St. Georgen in das Ringzugsystem rund 1.000 zusätzliche Fahrgäste anziehen würde, ein Großteil davon im Bereich eines neuen Haltepunkts Villingen-West im Bereich des Konversionsgeländes Manguin, aber auch St. Georgen, Peterzell Dorf und Peterzell-Königsfeld versprechen gewisse zusätzliche Kunden.
Insgesamt wird zusammen mit den schon vorhandenen Fahrgästen der Schwarzwaldbahn aber die aus Landessicht erforderliche Marke von 5.000 Fahrgästen noch nicht ganz geknackt. Dann nämlich wäre das Land bereit, zusätzlich zur Schwarzwaldbahn ein Nahverkehrssystem im Stundentakt zu bestellen. Das Land könnte sich aber, ähnlich wie beim Ringzug, eine gemeinschaftliche Finanzierung vorstellen, also zwischen Landkreis/Zweckverband Ringzug und Land. Um hier zu näheren Erkenntnissen insbesondere finanzieller Art zu kommen, soll ein Ganztagesfahrplan erstellt werden und auf dessen Grundlage eine detaillierte Potentialprognose erfolgen. Mit der Durchführung der Arbeiten, die noch in diesem Jahr abzuschließen sind, hat der Landkreis zwischenzeitlich die Firma SMA aus Zürich beauftragt. Ebenso sollen die Investitionskosten, in erster Linie für die erforderlichen 6 zusätzlichen Bahnsteige, ermittelt werden. Aus Landessicht erforderlich ist es auch, parallele Buslinien zu beseitigen und in Zubringerbuslinien umzuwandeln. In erster Linie betrifft dies die Buslinie 7265 Villingen - St. Georgen über Königsfeld. Denkbar wäre, stattdessen eine Linie Schramberg - Königsfeld - Villingen zu fahren und eine weitere Linie von St. Georgen über Buchenberg nach Königsfeld. Es ist also der Nahverkehr im Raum St. Georgen ggf. völlig neu zu organisieren. Die Gespräche mit SMA werden in den kommenden zwei, drei Monaten stattfinden und danach wird feststehen, wieviele Fahrgäste voraussichtlich mit einem Ringzug mitfahren (zusätzlich zum außer Diskussion stehenden attraktiven Stundentakt der Schwarzwaldbahn). Danach werden die Fahrgeldeinnahmen prognostiziert und damit ein mögliches laufendes Defizit ermittelt. Anschließend muss politisch die Entscheidung getroffen werden, ob man die Kosten für die Ringzuganbindung St. Georgens tragen möchte oder nicht.

Viele Grüße vom Vielfahrer

Benutzeravatar
KBS720
Rechte Hand
Rechte Hand
Beiträge: 5896
Registriert: Fr 6. Jul 2007, 12:04
Wohnort: St.Därge
Kontaktdaten:

Re: Ringzug-Verlängerung bis St. Georgen

Beitrag von KBS720 » So 10. Sep 2017, 19:44

Hallo,

danke für die neue Wasserstandsmeldung beim Ringzug.

Grüße Andreas
*schaffner* Das Bahnkutscher Wiki last update Juni 2014
Bild
Stinkt und macht en hufe Krach, 218 des isch halt ä Sach

wolfgang65
Rangierhelfer
Rangierhelfer
Beiträge: 719
Registriert: Di 8. Jan 2008, 20:58
Wohnort: Villingen

Re: Ringzug-Verlängerung bis St. Georgen

Beitrag von wolfgang65 » So 10. Sep 2017, 20:55

Hallo zusammen,

lasst mich mal hierzu eine hypothetische Frage stellen - will diesen Fall nur als Beispiel nehmen.

So ein Konzept kastriert ja den potentiellen Durchsatz einer Strecke wegen den zusätzlichen Haltestellen "auf freier Strecke" evtl. deutlich. Planen tut aber hier der Kreis oder das Land über den Kopf des Netzbetreibers weg - was für mich eigentlich ein Unding ist, wenn es so wäre.

D.h. eine potentielle extensive Nutzung für den Güterverkehr würde ja durch solche Planungen unterbunden. Wird hier wirklich über den Kopf von DB-Netz entschieden, oder wie läuft das ab?

Grüße

Wolfgang

P.S.: Bitte jetzt keine Antworten, dass die SWB für den extensiven Güterverkehr nicht geeignet ist - es ist eine hypothetische Frage - Danke

Vielfahrer
Fahrdiensleiter
Fahrdiensleiter
Beiträge: 3690
Registriert: So 1. Aug 2010, 13:32
Wohnort: Tübingen Weststadt

Re: Ringzug-Verlängerung bis St. Georgen

Beitrag von Vielfahrer » So 10. Sep 2017, 21:55

Angenommen, Kreis und Land sind der Ansicht, dass der Ringzug nach St. Georgen verkehren soll, dann wird man einen Betreiber suchen. Dieser wird dann bei DB-Netz einen Antrag auf entsprechende Trassen stellen. DB-Netz muss dann entsprechend den Richtlinien bei der Trassenvergabe das Angebot annehmen oder ablehnen. Dass dies mit rechten Dingen zugeht, darüber wacht im Zweifel die Regulierungsbehörde. Immerhin kann DB-Netz mit einem zusätzlichen Stundentakt enorme Deckungsbeiträge (Trassengebühren) erlösen, möglicherweise erheblich mehr als dies mit sporadisch verkehrenden Güterzügen der Fall wäre.

Auf der Gäubahn im Abschnitt Rottweil - Tuttlingen haben wir ja die Situation. Hier verkehren stündlich DB-IC/RE-Züge und stündlich Ringzüge. Die Strecke ist zudem auch noch eingleisig. Da passen in der Tat nicht mehr viele Güterzüge zusätzlich durch bzw. die bleiben in Rottweil, Spaichingen oder Tuttlingen stehen. Aber DB-Netz hätte ja seit Jahrzehnten die Forderung umsetzen können und das zweite Gleis wiederaufbauen können. Sie hat das nicht getan sondern, so mein Eindruck, eher bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Rationalisierung weiter vorangetrieben und die Zweigleisigkeit bewusst verschleppt. Dass man über 10 Jahre für 4 Streckenkilometer ab Horb Güterbahnhof bis Neckarhausen benötigt, spricht ja Bände. Von DB-Netz würde ich mir eigentlich diesbezüglich gar nichts erwarten. Ich würde eher darauf setzen, dass man DB-Netz wie etwa in der Schweiz verpflichtet, das Netz so auszubauen, dass neben dem Personenverkehr stündlich pro Richtung zwei Güterzugtrassen gewährleistet werden können, ob ein Zug fährt oder nicht. Aktuell nehme die Situation so wahr, dass infolge zu knapper Infrastruktur weder der Güterverkehr noch der Personenverkehr so richtig läuft. So bin ich am Freitag letzter Woche in Donaueschingen abgefahren und habe im RIS gesehen, dass der IC aus Zürich nach Stuttgart in Tuttlingen mit +2 Minuten erwartet wurde. In Tuttlingen stand dann auf Gleis 1 ein Containerzug Richtung Singen, der aber nicht abgefahren ist sondern vom IC aus Stuttgart nach Zürich noch überholt wurde. Dieser hatte + 5 und den IC nach Stuttgart ließ man vermutlich in Hattingen kreuzen, denn er kam dann mit knapp 20 Minuten Verspätung in Tuttlingen an. Der Ringzug nach Rottweil fuhr dann entsprechend verspätet ab, möglicherweise mit verlustigen Busabbringern in Rietheim und Aldingen. Die Folge bei meinem IC war, dass vielen Reisenden, denen offenbar der Weg via Horb - Pforzheim nach Karlsruhe empfohlen wird, der Zug um 16:51 Uhr verlustig ging. Während früher kaum Fernreisende via Nagoldtal unterwegs waren, sind derzeit ab Horb mitunter die Sitzplätze in dem Solo-Regio-Shuttle besetzt, darunter teils mit viel Gepäck dabei. Ein Zugbegleiter berichtete mir, dass man ab Bad Liebenzell ohne Halt nach Pforzheim gefahren sei, weil in den Zug ohnehin keiner mehr reingepasst hätte. Am Freitag war dann Warten bis 17:58 Uhr war angesagt. Auch mein Zug nach Tübingen, ab 16:53 Uhr war bei 20 Minuten Verspätung weg, keine Frage. Aber anstatt den folgenden Zug um 17:17 Uhr nach Tübingen pünktlich abfahren zu lassen, wurde noch ein Aushubzug nach Stuttgart über Tübingen eingeschoben, so dass wir mit ca. 7 Minuten Verspätung in Horb abgefahren sind. Da wir zur Hauptverkehrszeit von Tübingen in Richtung Horb mehrere Züge kreuzen, der Aushubzug natürlich auch, hat unterwegs kaum mehr was hingehauen. Hätte man nicht die Infrastruktur auf dieser Strecke so heruntergefahren (Mühlen war mal Kreuzungsbahnhof, Bad Niedernau ebenso), wären die Auswirkungen weit geringer.

Ich sehe es genau so, wie der ehemalige Bürgermeister Kennerknecht aus Allensbach im heute in einem Seehas-Thread verlinkten Südkurier-Artikel es ausgesprochen hat: Es sind die Folgen der Mehdorn-Ära, die nach wie vor das Denken bei DB-Netz bestimmen. Solange sich dort nichts ändert, kann man die Schiene als tauglichen Verkehrsträger im Güterverkehr vergessen.

Viele Grüße vom Vielfahrer

wolfgang65
Rangierhelfer
Rangierhelfer
Beiträge: 719
Registriert: Di 8. Jan 2008, 20:58
Wohnort: Villingen

Re: Ringzug-Verlängerung bis St. Georgen

Beitrag von wolfgang65 » So 10. Sep 2017, 22:53

Hallo Vielfahrer,

also wer mit der Mehdorn Ära argumentiert, sucht doch nur einen Schuldigen, der sich nicht mehr wehren kann und natürlich um von aktuellen Themen abzulenken - Sorry aber das ist Unfug. Wie lange ist der Mann nicht mehr am Ruder? 8 Jahre - in der Zeit, hätte man locker die ganze Firma auf den Kopf stellen können.

Außerdem war Mehdorn faktisch nur "Geschäftsführer" - und die tun nur was der Besitzer als Ziel vorgibt - vor allem in einer AG. Und genau hier liegt doch das Problem - nämlich in Berlin. Seit Jahren eine völlig unfähige Regierung / Truppe im Verkehrsministerium, die nicht weiß, welche Ziele man mit der Bahn vorfolgen soll. Man könnte meinen, dass man die Bahn eigentlich gar nicht möchte, nur leider gehts halt nicht ohne. Und deshalb läßt man Kreise und Land die Führungsgewalt. Und hier gilt - Firmen ohne Führung müssen scheitern - sieht man ja auch bei der Bahn....

Und in BW eine Landesregierung die einen Stellvertreterkrieg mit Berlin führt, in dem Sie alles tut, dass dem Staatsunternehmen schadet, weil es im Bundesrat nicht geht. Volkswirtschaftlich ist auch das nicht sinnvoll....

Es müssten von Berlin klare Vorgaben kommen, was die Bahn sein soll - nur die kommen nicht. Und wenn man am Tropf des Geldgebers sitzt, kommt so natürlich nichts heraus.

Aus meiner Sicht - das kann man natürlich anders sehen - wäre es sinnvoll, endlich zu versuchen Güter auf die Schiene zu bekommen. Sorry, aber den Verkehr mit einzelnen 650ern, halte ich für wenig sinnvoll. Die Bahn ist doch ein Massenverkehrsmittel....
Dass DB Netz da gute Trassenentgelte bekommt, mag zwar ein Argument sein, aber aus volkswirtschaftlicher Sicht, ist es zu kurz gedacht. Die Strassen von der LKW Flut - zumindest auf der Langstrecke - zu befreien, würde sicher einen Teil der Probleme auf den Straßen lösen. Aber leider müsste man in Berlin, hier sich dazu bekennen - will man aber nicht. Wer nichts entscheidet macht auch keine Fehler, könnte man als Devise hier sehen.

Noch ein Kommentar zu Vergleichen mit der Schweiz - die sind mehr als problematisch - der Bahnverkehr ist stark subventioniert und wegen der Straßenverhältnisse auch zwangsläufig im Vorteil zu D. Die Durchschnittsgeschwindigkeit, die man mit einem PKW vor allem außerhalb der Autobahnen in der Schweiz erreicht ist sehr niedrig - da muss man Zug fahren.
Jetzt bin ich leider weit abgeschweift, aber da bin ich ja nicht der Einzige - Lach

Viele Grüße

Wolfgang

Benutzeravatar
KBS720
Rechte Hand
Rechte Hand
Beiträge: 5896
Registriert: Fr 6. Jul 2007, 12:04
Wohnort: St.Därge
Kontaktdaten:

Re: Ringzug-Verlängerung bis St. Georgen

Beitrag von KBS720 » Mo 11. Sep 2017, 10:10

Hallo,

Wolfgang das trifft den Nagel vollends auf den Kopf. Der Staat weiß nicht was er will und wer meint das Infrastruktur noch Gewinne abwerfen soll ist eigentlich eh auf der falschen Spur. Natürlich darf das ganze keine roten Zahlen schreiben, aber alles was im Plus rauskommt müsste umgehend in die Instandhaltung un den Ausbau fließen. Mittlerweile sind wir immerhin soweit das die Sparkurse aus der Zeit vom H.M. wieder aufgelöst werden. Das merkt man an den ganzen Großbaustellen in der Region.

Vielfahrer hat geschrieben: Hätte man nicht die Infrastruktur auf dieser Strecke so heruntergefahren (Mühlen war mal Kreuzungsbahnhof, Bad Niedernau ebenso), wären die Auswirkungen weit geringer.
Also diese 31,5km besitzen mit Kilchberg, Rottenburg, Bieringen und Eyach genau vier Kreuzungsmöglichkeiten. Auf den knapp 40 km Neustadt-Donaueschingen sind es noch zwei. Also das ist jammern auf hohem Niveau, natürlich wäre es gerade bei der Umleiterei geschickt gewesen wenn Mühlen und Bad Niedernau noch da gewesen wären.

Ich denke wir sollten zum Ausgangsthema zurückkehren.
Grüße Andreas
*schaffner* Das Bahnkutscher Wiki last update Juni 2014
Bild
Stinkt und macht en hufe Krach, 218 des isch halt ä Sach

Vielfahrer
Fahrdiensleiter
Fahrdiensleiter
Beiträge: 3690
Registriert: So 1. Aug 2010, 13:32
Wohnort: Tübingen Weststadt

Re: Ringzug-Verlängerung bis St. Georgen

Beitrag von Vielfahrer » Mo 23. Okt 2017, 00:40

Am heutigen Montag finden verschiedene Vor-Ort-Termine an den angedachten Ringzughaltestellen zwischen St. Georgen und Villingen statt. Vertreter der Nahverkehrsgesellschaft des Landes, von DB Station & Service und von der kommunalen Seite werden die möglichen Standorte in Augenschein nehmen. Die Festlegung der Standorte dient als Vorarbeit für entsprechende Planungen und Kostenschätzungen. Die Bahnsteige müssen barrierefrei zugänglich sein und idealerweise mit dem Buslinienverkehr verknüpft werden können. Außerdem sollen die Fußwege sicher sein, also keine Querung stark befahrener Straßen an ungeeigneter Stelle erfordern. Bislang wird von drei Haltestellen ausgegangen: Peterzell Dorf (beim Bahnübergang Unterm Wald), Peterzell-Königsfeld (beim Bahnübergang Schoren) und Villingen-West (auf Höhe Richthofenbrücke). Gerade die letzte Station verspricht eine hohe Nachfrage. SMA hat 1.000 zusätzliche Fahrgäste/Tag prognostiziert. Grund dafür ist, dass das ehemalige Kasernengelände Quartier Mangin und Quartier Lyautey und der Goldenbühl in nächster Nähe liegt. Derzeit wohnen im 1-km-Umkreis von Villingen-West ca. 8.000 Einwohner. Die Stadt Villingen-Schwenningen wird das ehemalige Kasernengelände in den kommenden Jahren entwickeln, u.a. durch zentrale Dienstleistungen und Wohnungen. Bei den anderen Halten wird die Nachfrage geringer eingeschätzt, sie lässt sich aber durch eine gezielte Siedlungspolitik und Anbindung von Arbeitsplätzen und Verknüpfung mit Buslinien allemal steigern.

Viele Grüße vom Vielfahrer

wolfgang65
Rangierhelfer
Rangierhelfer
Beiträge: 719
Registriert: Di 8. Jan 2008, 20:58
Wohnort: Villingen

Re: Ringzug-Verlängerung bis St. Georgen

Beitrag von wolfgang65 » Di 24. Okt 2017, 20:49

Hallo Vielfahrer,

will man hier auf Teufel komm raus Haltestellen produzieren oder habe ich da was falsch verstanden?

Eine Haltestelle an der Richthofenbrücke wäre auf einem Bahndamm - wie kann diese leicht zu erreichen sein? Ausserdem ist es vom Kasernengelände zu Fuß zum Bahnhof Villingen nicht arg viel weiter, wie zur Haltestelle an der Richthofenbrücke (je nachdem wo man wohnt - später einmal). Dass es an dieser Stelle eine Bushaltstelle gibt, die direkt zum Bahnhof führt ist sicher auch bekannt. Und dass es am Kasernengelände auch Bushaltestellen Richtung Bahnhof gibt ist auch klar.
Sinn macht das aus meiner Sicht nur für Fahrgäste die z.B. von dem Management-Zentrum Villingen nach St Georgen möchten. Oder aus den umliegenden Firmen/Geschäften. Bin zwar noch nicht oft mit dem Bus von der Richthofenstraße abgefahren, aber voll war der Richtung St. Georgen nie. Wohl auch deshalb weil St. Georgen nur über Königsfeld erreicht wird (wenn das nicht geändert wurde). Aber den Bedarf von der Stelle aus sehe ich nicht.

Wo liegt also der Sinn für so eine ungeschickte Stelle?

Grüße

Wolfgang

Vielfahrer
Fahrdiensleiter
Fahrdiensleiter
Beiträge: 3690
Registriert: So 1. Aug 2010, 13:32
Wohnort: Tübingen Weststadt

Re: Ringzug-Verlängerung bis St. Georgen

Beitrag von Vielfahrer » Di 24. Okt 2017, 22:01

Hallo Wolfgang,

nein, Haltestellen auf Teufel komm raus will niemand produzieren. Aber es gibt enorme Potentiale zwischen den Bahnhöfen in St. Georgen und Villingen. Für viele Fahrgäste ist nicht die Fahrzeit von Bahnhof bis Bahnhof entscheidend, sondern die Reisezeit insgesamt, also incl. Fußwegen oder anderen Verkehrsmitteln. Aus diesem Grund ist der Ringzug auch ein erfolgreiches Projekt, mit dem ca. 15.000 Fahrgäste/Tag befördert werden. Die meisten Fahrgäste kommen dabei auf kleineren Stationen auf oder fahren zu kleineren Stationen, während der Verkehr zwischen Villingen und Donaueschingen oder Immendingen mehrheitlich auf der DB-Schwarzwaldbahn liegt, da sie eindeutig schneller über die längeren Entfernungen ist. Dies wird auch zwischen Rottweil und Tuttlingen der Fall sein, wenn das Land endlich die DB-Fernverkehrstarife auf den Verbundpreis heruntersubventioniert (und dieser ist für viele noch teuer genug).

Es ist daher eine Aufgabe, die Potentiale zwischen St. Georgen und Villingen zu analysieren. Beispielsweise gibt es im St. Georgener Industriegebiet rund 1.000 Arbeitsplätze (mit am größten ist JG Weisser. Die Entfernung bis zum Bahnhof ist zu weit, um zu Fuß zu gehen. Mit dem Bus fährt kaum einer nach St. Georgen und steigt dort auf die Gegenrichtung nach Villingen um. Ein Halt etwa 1,2 km südlich von St. Georgen Bf würde den Fußweg zur Fa. JG Weisser von 1.500 Meter auf 250 Meter drastisch verkürzen.
Entsprechend sinkt die Reisezeit. Der Bus hält dort zwar auch, aber die Fahrzeit bis Villingen ist 32 Minuten im Vergleich um PKW uninteressant, deshalb fahren nur wenige mit und die Hunderte von Parkplätzen sind voll. Offenbar schafft das der Bus nicht. Mit einer Ringzugverbindung, die z.B. durchgehend von Rottweil über Schweningen - Villingen führt, halbiert sich die Fahrzeit und ist in der Größenordnung des PKW.

Dann der nächste Halt in Peterzell. In Peterzell gibt es rund 1.500 Einwohner. Ein Halt auf Höhe der Bahnübergangs beim Sägewerk wäre für diese Einwohner attraktiv. Der Weg ist für die meisten nicht weiter sondern kürzer als zur Bushaltestelle, die Fahrzeit nach Villingen nur halb so groß. Das wird Wirkung zeigen.

Dann in Peterzell-Schoren. Dort findet eine Anbindung mit Bussen in das neue Gewerbegebiet Hagenmoos statt, in dem derzeit schon über 1.000 Arbeitsplätze vorhanden sind. Ein weiterer Ausbau des Gewerbegebiets unmittelbar beim vorgesehenen Haltepunkt, wo derzeit die Fa. Grässlin ein Gebäude stehen hat, ist vorgesehen, so dass auch hier zusätzliche fußläufige Arbeitsplätze entstehen werden. Weiter wird darüber nachgedacht, hier in fußläufiger Entfernung Bauplätze zu erschließen, so dass zusätzlich zu den Berufspendlern auch Einwohner kommen werden, die nach St. Georgen oder nach Villingen-Schwenningen fahren werden.

In Villingen-West ist der Standort m.E. ideal. Im fußläufigen Bereich (ca. 10 Minuten) wohnen rund 10.000 Villinger. Gut, sie könnten mit dem Stadtbus zum Bahnhof fahren. Der fährt im Ring um Villingen herum. Für die 2 km auf der Schiene benötigt der Bus ca. 11 Minuten, zzgl. Umsteigezeit, wenn es ab Villingen weiter geht. Mit dem Zug sind das gerade mal 2 Minuten, was insbesondere dann von Vorteil ist, wenn es z.B. nach Schwenningen geht (umsteigefrei vorgesehen). Die Fahrt bis Schwenningen dürfte so etwa bei 15 bis maximal 20 Minuten, je nach anschlussbedingter Standzeit/Ankuppeln von Bräunlingen in Villingen, anzusetzen sein, nach Donaueschingen werden es mit Umstieg auf die Breisgau-S-Bahn dann etwa 15 Minuten sein. Das ist einfach konkurrenzlos schneller als mit den Bussen. Vom Goldenbühl aus kommt man recht bequem am Real-Markt vorbei zum Bahnsteig in Richtung St. Georgen und am Haus des Handwerks wird es barrierefrei zum Bahnsteig in Richtung Villingen - Schwenningen - Rottweil gehen. Aber auch als Zielgebiet wird diese Haltestelle gewinnen. Die Stadt plant, das Lyautey- und Mangin-Gelände (ca. 2.000 Ar) zu bebauen mit vielen Wohnungen und zentralen Dienstleistungen, die heute in der Stadt verstreut sind. Und das dicht bebaute frühere Kasernengebiet Welvert ist auch nur 700 Meter entfernt, während es zum Bahnhof 1700 Meter sind. 1000 Meter Unterschied sind für Fußgänger schon ein Wort. Dadurch, dass der neue Haltepunkt günstig zu den vorgesehenen zentralen Dienstleistungen liegen wird, können Besucher mit dem öffentlichen Verkehr anreisen, benötigen also keine Parkplätze. Im Gegenteil. Vorstellbar wäre, beim neuen Haltepunkt in Villingen West P&R vorzusehen. Am Bahnhof Villingen klemmt es da ja sehr, so dass viele nach Rottweil gleich mit dem Auto fahren, auch aus Schwenningen, weil auch hier in Bahnhofsnähe keine Parkplätze in ausreichender Anzahl bereitgestellt werden können.

Was dringend notwendig ist, das ist eine Ausrichtung des Verkehrsangebots auf Arbeitsplätze und günstige Anbindung von Siedlungen. Der Schülerverkehr stagniert bzw. verliert strukturell an Bedeutung. Gleichzeitig muss aus Umweltgründen eine Alternative zum Individualverkehr angeboten werden. Eine schnelle Bahnverbindung mit vielen Haltestellen und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 bis 60 km/h ist attraktiv, auch im Vergleich zum PKW, der oft genug im Stau steht. Stadtbusse kommen vielleicht auf 20 km/h, die weniger oft haltende Schwarzwaldbahn auf 90 km/h.

Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass die Strecke nach St. Georgen, das immerhin rund 6.000 Arbeitsplätze aufweist, noch besser angenommen wird, als das im ersten Aufschlag von SMA prognostiziert wurde. Derzeit läuft eine verfeinerte Analyse, bei welcher ein Tagesfahrplan und nicht nur ein Taktauschnitt zugrunde gelegt wird. Bei den Potentialberechnungen spielt die Reisezeit eine erhebliche Rolle (Lille'sches Reisezeitgesetz). Man kann diesen Zusammenhang kurz so formulieren: Je kürzer die Reisezeit (nicht Fahrzeit), desto höher die Potentialausschöpfung, etwa vergleichbar dem Gravitationsgesetz in der Physik.

Viele Grüße vom Vielfahrer

wolfgang65
Rangierhelfer
Rangierhelfer
Beiträge: 719
Registriert: Di 8. Jan 2008, 20:58
Wohnort: Villingen

Re: Ringzug-Verlängerung bis St. Georgen

Beitrag von wolfgang65 » Di 24. Okt 2017, 22:24

Hallo Vielfahrer,

zumindest eine Aussage erscheint mir sehr wenig realitätsnah

"In Villingen-West ist der Standort m.E. ideal. Im fußläufigen Bereich (ca. 10 Minuten) wohnen rund 10.000 Villinger."

...wenn Du damit die Richthofenbrücke meinst. Dort wohnt direkt faktisch niemand! Von 10.000 Leuten kann wirklich nicht die Rede sein. Es ist bis auf wenige Häuser ein Industriegebiet. Und in dem Falle weiß ich genau von was ich Rede - ich habe 15 Jahre ein paar Meter weiter gearbeitet. Man muss faktisch in jede Richtung fast 10min zu Fuß gehen um zu Wohngegenden zu kommen.

Aber jetzt mal im Ernst - Wo soll diese Haltestelle exakt hin? Wirklich an die Richthofenbrücke?? Der Bahndamm ist nicht niedrig und bis auf den Rewe Parkplatz fällt mir da kein möglicher freier Aufgang ein?

Grüße

Wolfgang

Antworten